Wieviel Fußball ist eigentlich gesund?

Wieviel Fußball ist eigentlich gesund? Ich muss mich an dieser Stelle erst einmal outen: Ja, ich verfolge dieses Jahr die EM. Zumindest ein bisschen. Doch dieses bisschen mit Spannung! Denn, wie der Fußballkenner weiß: Österreich steht diesmal gar nicht so schlecht da. Doch ich benutze in dieser Formulierung ganz bewusst die ungegenderte Form, denn was im österreichischen Sportfernsehen auch bitter aufstößt, ist der RedakteurINNENmangel. Obwohl, stimmt nicht. Ich kenne eigentlich einige Sportredakteurinnen beim ORF, doch wie mir eine dieser einmal bei einem JournalistINNENtreffen zuflüsterte: Die Moderationen der “großen” Spiele schnapsen sich die Pariaseks der Redaktion lieber selbst untereinander aus. Die Deutschen machen es schon etwas besser – Mit Frauen wie Claudia Neumann oder Katrin Müller-Hohenstein, sichern ARD und ZDF eine einigermaßen geschlechtergerechte Berichterstattung. Natürlich nicht ohne massiven Gegenwind (wie schon bei der Championsleague letztes Jahr) oder Diskussionen rund um Outfitdetails (wie bei Frauen üblich, die in der Öffentlichkeit stehen). Aber da wär noch dieser andere massive Punkt, den ich nicht ignorieren kann: Fußballmeisterschaften und ihr ganzes Drumherum zeigen für mich so offensichtlich und gleichzeitig so beispielhaft, Ausformungen partriachaler Strukturen, die mich (wenn ihre Sideeffects nicht gleichzeitig so unterhaltsam wären) eigentlich ziemlich abstoßen. Zweiundzwanzig Männer auf dem Feld, die animalisch einem Kunstlederball hinterherrennen, sich übereinanderwerfen, dramatisch ächzend am Boden rumkugeln, oder direkt von “Emotionen bewegt” aufeinander losgehen. Hitzköpfige Trainer, die am Rande herumbrüllen und Fans, die (trotz 2,8-prozentigem Bier) Becher aufs Spielfeld schmeißen und dazu gröhlend ihren Unmut kundtun.
Nennt mich naiv, aber wenn ich beim Zuschauen derartiger Szenen auch nur ein bisschen bei mir bleibe, kann ich nicht umhin, das alles vor dem Hintergrund unserer oh-so-woken Gesellschaft nicht etwas absurd zu finden (und ich fang hier jetzt erst gar nicht von den strukturellen Bedingungen an, Stichwort: Fußballergehälter vs. FußballerINNENgehälter). Wo war eigentlich dieser Riesenmedienhype bei der Frauenfußball-WM im letzten Jahr? Und wieso braucht es den Zusatz “Männer” nicht bei der diesjährigen EM? Oh wait, I forgot: Männer sind ja der Default in dieser Welt, äh ich meinte, in diesem Sport. Aber ok, maybe that is just me und “dann sollte ich es halt nicht schauen, wenn ich es nicht mag” (Danke für den nettgemeinten Ratschlag, Kollegen 😉). Or is it just me? Auslöser für diesen Vent (So nennt man das jetzt auf Reddit, oder?) war übrigens dieser sehr gute Kurzbeitrag der Chefredaktion, der mich daran erinnerte, dass wir für skug vor einiger Zeit auch ein super Diskussionspanel mit der tollen Nikola Staritz von fairplay hatten. Außerdem hat sich Mai Thi Nguyen-Kim von MAYTHINKX Gedanken über den gesundheitlichen Aspekt von Fußball gemacht und Dominik Thaller einen Film über den erfolgreichsten Fußballverein Oberösterreichs gedreht (siehe Trailer oben) und warum dessen Erfolge in Österreich trotzdem nur eine Randnotiz verbleiben. So. Jetzt aber genug von Fußball. Während ich mich über Reklamationen auf diese Mail in meinem Posteingang freue, muss ich hier einen Schlussstrich ziehen, denn immerhin ist ja immer noch …
Pridemonth & Und warum wir mehr Spaces für FLINTA* im BDSM brauchen
Zeit für Zwischenräume und kinky folks! In der #9 Folge von meinem Podcast hab ich anlässlich des Pridemonths mit der wundervollen Lilo Thron gesprochen. Vielleicht kann sich die:der ein oder andere an meinen vorletzten Newsletter erinnern, in dem ich mich über die (unfrewillige) Fetischisierung queerer Frauen auf BDSM-Partys aufgeregt hab? Nun ja, wir haben jetzt einen ganzen Podcast dazu aufgenommen und darüber gesprochen, warum wir denken, dass es zu wenige Räume für FLINTA* in der “Szene” gibt. Oder anders gesagt: Wie die 50-shades-of-grey-isierung von BDSM die Heteronormativität dieser Spaces verstärkt und problematisiert hat.

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Diese Filme bringen euch diesen Monat zum STRAHLEN
Ok, bare with me. Wo ihr hier normalerweise die Kinostart-Recommendations des Monats herausgefiltert bekommt, werdet ihr dieses Mal eher in die Vergangenheit zurückgebeamt. Es ist SOMMER. Und wer cinephil ist, weiß, dass der SOMMER nicht die heißeste Zeit der Kinoverleihe ist … deshalb …
Disco Boy (Regie: Giacomo Abbruzzese)
Ok, einen Kinostart hab ich doch für euch! Und noch dazu mit Franz Rogowski!! Kann es schöner sein? Ich hab den Film zwar schon vor einem Jahr beim Crossing Europe gesehen, kann ihn aber nur allen ans Herz legen. “Ein Film wie ein kolonialer Fiebertraum”, nennt es meine Kollegin von ray, Pamela Jahn, die auch eine Review dazu geschrieben hat. Und ehrlicherweise: Besser kann man es nicht zusammenfassen. Haut euch einfach ins Kino und ekstasiert mit All-Star Rogowski.
The Holy Mountain (1973, Regie: Alejandro Jodorowsky)
Die Hauptursache für die mangelnden Kinostarts in dieser Sektion, ist auch die Omnipräsenz von Filmfestivals seit ich hier in Warschau bin. Beim (namentlich sehr passenden) WTF-Filmfest, hat es dabei diesen psychedelischen Klassiker von Jodorowsky gespielt. Wer hat nicht schon mal als neuer Messiah, von einem Affen begleitet bei einer Wanderung glibberige psychoaktive Masse geschlürft? Anyhow: Empfehlung für einen seltsamen Kinoabend!
24 Hour Party People (2002, Regie: Michael Winterbottom)
Another Classic! Irgendwie hat es der Film vor sechs Jahren in meine Handynotizen geschafft, jetzt – und nach mehrmaligen Handywechseln – habe ich ihn ebendort wieder gefunden. Was wie ein Wunder anmutet, kann kein Zufall sein. Das “biografische Comedy-Drama” rund um den Gründer von Factor Records in Manchester ist auf jedenfall etwas für alle Underground Fans da draußen, die mit sechzehn schon gern Joy Divison gehört haben.
1983 (Regie: Joshua Long)
Ok, eine Empfehlung hab ich noch, für alle, die nicht stundenlang irgendwelche illegalen Streams für oben genannte Filme suchen wollen. In unserer Polnische-Serien-Ralley haben mein Partner und ich diese Netflix-Serie gefunden, die das Gedankenexperiment unternimmt, was gewesen wäre, hätte es 1989 in Polen nie gegeben. Ein grimmig-grauer Polizeistaat und RAF-mäßige Terroristengruppen? Auf jeden Fall: Keine Zeitverschwendung für einen Samstagabend.
Youtube-Rabbitholes des Monats
Natürlich will ich nicht, dass alle anderen interessanten Themenfunde dieses Monat zu kurz kommen. Hier also eine kleine Auswahl zum durchklicken:
The Demise of Consent Discourse Online: https://www.youtube.com/watch?v=xf8MJVW36VM
TOXIC Relationships & Why We Stay In Them: https://www.youtube.com/watch?v=GN8SxOyA0XQ
Bumble and the sexual revolution: https://www.youtube.com/watch?v=LjEENbrYNmk
Gen Z and Millennials Need Hobbies, Not a Personal Brand https://www.youtube.com/watch?v=CcIRN2VLqXk
Life as a Dominatrix: https://podcasts.apple.com/at/podcast/come-curious/id1444176549?i=1000658021430
Sisters Festival 2024 (und warum es sich lohnt, hinzugehen)
Die Sisters of Music veranstaltet dieses Jahr am 12. Juli 2024 in der Arena zum zweiten Mal das Sisters Festival in Wien – Ein Festival dass fast ausschließlich von Frauen veranstaltet wird und nur FLINTA* im Line-Up hat. Im Interview hat sie mir u.A. erzählt, wie sie mit Bemerkungen darüber umgeht, dass es ja “zu wenig” FLINTA* Acts gäbe:
Wie gehst du mit solchen Aussagen um, die du anfangs genannt hast?
Karin Tonsern: Ganz ehrlich: Das ist ein bisschen Tagesverfassung-abhängig. Mittlerweile nehme ich solche Aussagen überhaupt nicht ernst. Ich reagiere natürlich darauf, aber für mich bedeutet es eigentlich nur, dass jemand schlecht recherchiert und sich keine Mühe gegeben hat. Wenn man es jetzt rein auf Bands bezieht: Es gibt Genres, in denen ich mich auch nicht gut auskenne, und deshalb auch nur drei, vier, fünf Bands nennen kann. Wenn man sich mit etwas nicht beschäftigt, kann man es auch nicht wissen! Es gibt genug weibliche Bands, genauso wie es genug Technikerinnen, Schauspielerinnen oder Filmregisseurinnen gibt. Und wenn eine Person der Meinung ist, er oder sie kennt sie nicht, ja dann ist das eben das eigene Unvermögen, aber nicht ein allgemeines Problem.
Das ganze Interview ist bei mica erschienen.
Zum Abschluss: Musik!
Kurz und knapp: Dieser Track tranct sich durch meinen Alltag, seitdem ihn Anna Borsuk vor ein paar Wochen hier im wunderbaren Smolna38 als Closing gespielt hat: Viel Spaß bei der Zeitreise und bis zum nächsten Mal!