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May 31, 2024

Online-Solipsismus zwischen knarzenden Holzdielen

What is happening?

Cześć – aus dem hundertzwölf Jahre alten Haus, in dem mein Partner und ich gerade für die nächsten paar Monate unser Leben einrichten. Dieses Alter ist im Übrigen eine ziemliche Seltenheit, weil das meiste von Warschau (yeah, da sind wir) im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden ist. Wenn man sich durch den verwinkelten Eingansgbereich erst mal ins Stiegenhaus vorgewagt hat, fühlt man sich dort wie in einem Museum: Überall alte Gemälde an der Wand, seltsam verkleidete Mannequins in den Stockwerken, knarzende Holzdielen. Eigentlich genau meins, und dann doch wieder eine Challenge, nicht selber zum Ausstellungsstück zu werden. Wieder im Ausland, wieder das Zurückgeworfensein auf sich selbst, vom normalen sozialen Kontext und Alltag entkoppelt. Jede:r, die:der mal längere Zeit im Ausland war, kennt vermutlich dieses Anfangsstadium des Ein-bisschen-verloren- doch -auch-ein-bisschen-Einsamseins. Es resultiert darin, dass viel Begegnung im Außen aus einer scheuen Distanz, viel Begegnung im Innen, auf digitalem Wege passiert.

Dass auch mein Youtube-Verlauf dadurch kurz vor einer Identitätskrise steht, ist nicht verwunderlich. Immerhin fördert das Enthobensein aus dem Hustle-Alltag, plötzlich die Fähigkeit, offen für alle anderen Diskurse sein, die man sonst zwischen Job eins und Job zwei irgendwie über den Social-Media-Feed reinhyperventiliert. Aber naja: Noch habe ich nichts dadurch gewonnen. Die politische Diskussion auf Instagram gleicht immer noch eher dem Fan-Grölen zweier verfeindeter Fußballmannschaften, und der dreistündige Podcast über Ozempic taugt auch in erster Linie nur zum Einschlafen. Der ganze Rest wird mit einer Aufmerksamkeitsspanne von acht Sekunden über TikTok verdaut. Also vielleicht doch lieber D&D spielen? Spaß. Aber das die Mental-Health nach zwei Wochen so absackt, nur weil man ein bisschen mehr Zeit im Internet verbringt, ist schon bezeichnend. Jetzt also mal Laptop zu und raus ins Getümmel!

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5 Jahre offene Beziehung

Einige wissen es vermutlich, andere nicht. Aber ich war fünf Jahre in einer ENM-(ethical non-monogamous)Beziehung mit einem Menschen, der mir immer noch sehr lieb ist! Und mit ihm habe ich kürzlich in meinem Podcast über ebendiese Zeit gesprochen. Simon und ich haben dabei eine historische Reise unternommen und die Ups and Downs dieser Zeit besprochen, sowie darüber reflektiert, wie wir jetzt mit etwas Abstand darüber denken und was wir für unsere jetzigen Beziehungen mitnehmen konnten. Vielleicht kann sich anhand unserer Geschichte ja die:der eine oder andere beim Hören unserer Hürden und Stolpersteine aber auch Beziehungserfolge und erlernten Kommunikations-Skills etwas mitnehmen.

Luna ist auch wieder mit dabei!

Gehört, Gesehen, Geschrieben

Zeit, diese Rubrik hier etwas aufzulockern. Nachdem ich in den letzten Wochen sehr multimedial unterwegs war, gibt es heute nicht nur Kinofilme, sondern eine bunte Mischung an allem, was mich die letzten Wochen unterhalten und begeistert hat.

Besuch im Bubenland (Regie: Katrin Schlösser)

„Das ist halt so“, lautet eine der häufigsten Aussagen, denen man im Bubenland begegnet. Apathisch blicken dabei unterschiedliche Augenpaare in die vor ihnen hingehaltene Handykamera. Außerdem, meinen die meisten, „passt es schon“. Was dabei halt einfach „so“ ist, ist das Leben. Und was es ist, das „passt“, sind die Dinge, die in diesem Leben passieren. Dazwischen will Katrin Schlösser abseits von Weizenfeldern und Landgasthäusern besonders eines suchen: Männliche Beweggründe und was „es“ ist, das diese Gründe manifestiert. Dazu macht sie einen Besuch im Bubenland und fragt Männer aus dem Südburgenland, was es ist, das sie antreibt. (Meine ganze Rezension ist bei ray erschienen und ist hier nachzulesen)

Late Night with the Devil (Regie: Cameron und Colin Cairnes)

Halloween ist heute ganz schön früh gekommen. Wer grad wie ich Zeit in einem Haus mit knarzenden Treppen verbringt, den wird folgender 70s-Late-Night-Show-Grusel für einige Nächte wachhalten. Oder hysterisch zum Lachen bringen? Wie auch immer: Ein ganz besonderer Film für Freund:innen des Genre-Kinos.

The Mire (Polish: Rojst) & High Water (Polish: Wielka Woda) (Regie: Jan Holoubek)

Um das Polnisch-Lernen zu versüßen, haben mein Freund und ich beschlossen, das abendliche Netflix-Programm auf Polnische Serien zu begrenzen. Dabei sind wir auf Jan Holoubek und folgende beiden sehr guten Serien gestoßen. Das eine eine Krimi-Serie mit Sowjet-Chic, das andere eine fiktive Geschichte rund um die sehr realen Überflutungen von 1997 in Polen.

Baby Reindeer (Regie: Weronika Tofilska, Josephine Bornebusch)

Nur vorweg gesagt: Ich habe diese Serie ganz bewusst nicht alleine geschaut, weil sie durchaus triggering für Personen (wie mich) sein kann, die sexuelle Übergriffe oder Gewalt erlebt haben. Dennoch kann ich nur unterstreichen, wie gut die von Richard Gadd persönliche erlebte und auch von ihm gespielte Geschichte über ihn und seine Stalkerin ist.

Podcast- und Youtube-Highlights:

Wenn es um Podcasts und Youtube geht, bin ich sehr auf meine All-Time-Favourites fokussiert. Also bitte bitte: Float me with Content! Ich bin offen für neues!
Hier meine Higlights diesen Monat:
– Ethical Porn with Erica Lust & Come Curious
– The (Queer-)Politics of Eurovision with Verilybitchie
– Female Loneliness and the Catchup Friendship Crisis with Rowan Ellies
– Noone wants to go to College anymore with Alice Cappelle

Antwort zum Tagesthema (das ganze Interview mit Conny Frischauf erscheint in Kürze bei mica):

Inwiefern ist es (das Konzept von Gemeinschaft) für dich (im zeitgenösischen Kunstkontext) präsent?

Conny Frischauf: Das ist eine gute Frage und ich müsste darüber ein bisschen länger nachdenken, um eine ausgewogene Antwort zu geben. Grundsätzlich würde ich mit diesem Begriff ein bisschen vorsichtig umgehen, denn meines Empfindens wird er so herumgeworfen, gerade so Worte wie „Community-Building.“ Ich glaube, dass Gemeinschaft nicht nur durch einmalige Events entsteht, sondern dass es dieses In-Dialog-Treten braucht. Es geht um das Sich-aufeinander-beziehen-können. Das macht Gemeinschaft aus. Es gibt Tendenzen, den Begriff „Gemeinschaft“ oder „Community“ für etwas zu verwenden, das es gern sein will, es aber konzeptuell nicht erfüllen kann. Nicht falsch verstehen: Oft geht eine Handlung von einer Idee aus und das ist auch gut, deswegen finde ich Konzepte nicht generell verwerflich. Oft bleiben solche Konzepte dann aber in diesem kleinen institutionellen Rahmen, wo sich nur eine gewisse Personengruppe aufhalten kann. Und das finde ich schwierig. 

Zum Abschluss: Billie Eilish – Because c’mon she is gorgeous.

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