Reasons to moan in July!

»Da viele Frauen glauben, sie würden nie Erfüllung in der Liebe finden, sind sie bereit sich auf Strategien einzulassen, die den Schmerz ein wenig lindern und in ihren bestehenden, vor allem romantischen, Beziehungen für mehr Frieden, Freude und Leichtigkeit zu sorgen.« Das schreibt bell hooks in ihrem 2000 erschienen Liebes-Klassiker »All about Love« (dt. Alles über Liebe). Und obwohl die Zeit des Ratgeber-Booms in Buchform vielleicht eine Erinnerung der 2010er Jahre ist, kann man den Satz auf die heutige Zeit übersetzen, als wären keine vierundzwanzig Jahre vergangen. Es sind zwei Dinge die mich an der Aussage reizen und eine kleine Pointe, die dabei mein neues Projekt »soft-introducen« wird. Erstens, und das ist ein Phänomen unserer Zeit, hat die »Liebe« zurzeit einen selten zynischen Beigeschmack bekommen. Dazu hallt immer noch eine Konversation mit einer Bekannten nach, die über ihren Partner meinte, er wäre sicher nicht »the one«, aber »gerade der richtige«, um nicht allein zu sein. Ich weiß, dass es sehr erfüllende Beziehungsformen gibt, die nicht dem romantischen Ideal entsprechen. Dennoch glaube ich, dass eine große Mehrheit der Menschen, was meine Bekannte sehr »bluntly« sagte, unbewusst auch denkt: Besser bleibe ich in dieser »sicheren« aber nicht erfüllenden Beziehung, als dass ich alleine bin. Von der Committment-Crisis der mid- to late-twenties mal abgesehen: Irgendwann sucht sich der größere Teil der Population jemanden zum »settlen«. Dass »settlen« (ich finde die deutschen Übersetzungen dazu nicht hinreichend) dabei gerne einmal mit Liebe verwechselt wird, zeigen etwa die immer noch sehr hohen Scheidungsraten. Brittany Simon spricht in diesem Video sehr treffend über dieses Missverständnis.
Der zweite Punkt der mich an bell hooks’ Aussage reizt, ist der Aspekt der emotionalen Care-Arbeit (damit gemeint: alles, in einer Beziehung, dass das emotionale Miteinander verbessert/bespricht/bennent), die in der Mehrheit (und ich rede jetzt explizit nur von) heterosexueller »settling«-Beziehungen von der Frau übernommen wird. Dabei wirkt hooks’ Feststellung vielleicht veraltet, weil niemand von uns mehr Ratgeber-Bücher liest. Aber dass das Internet nur so von Sex-und Beziehungs-»Influencern« strotzt, ist keine Neuigkeit. Ich bin stolze Konsumentin derselben, einfach weil mich dieses Spannungsfeld immer schon interessiert hat. Was mich daran nervt, ist wie »Sex-Positivity« inzwischen wie als Wellness-Produkt für (drummroll) FRAUEN verkauft wird. Ein perfektes Beispiel dafür, wie Feminismus sich mit Konsumkaputalismus fusioniert. Weil mich das alles nervt, habe ich beschlossen, jetzt selber darüber zu schreiben: Moanologues ist mein neues kleines Projekt, in dem ich über Sex (und alles drumherum) schreiben will, um antifeministische Tendenzen aufzudecken und zu zeigen, wie wichtig die Beschäftigung damit für uns ALLE ist. Schaut vorbei :)
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Warum gehen so wenige Männer in Psychotherapie?
In den Zwischenräumen habe ich mir diesmal (quasi) die andere Seite der Medaille angeschaut, nämlich warum es Männern in heterosexuellen Beziehungen oft so schwer fällt, die emotionale Care-Arbeit zu übernehmen. Denn was ich mir oft gewünscht, aber nie verbalisiert habe: Der nächste Mann, mit dem ich etwas anfange, soll Therapieerfahrung haben. Das hat sich bisher noch nicht realisiert, was aber statistisch gesehen auch wenig verwunderlich ist: 60–70 % aller Personen, die in Psychotherapie gehen, sind Frauen. Das ist in etwa wohl auch dieselbe Prozentzahl an Frauen, die in heterosexuellen Beziehungen die emotionale Care-Arbeit übernehmen. Das Stereotyp des schweigenden Mannes, der keine Gefühle zeigt, hält sich trotz allem beständig. Warum ist das so? Michael Zangerl hat sich darüber auch schon viele Gedanken gemacht, und erzählt über dieses Problem aus seiner Position. Mit ihm habe ich für die 10. Episode von #Zwischenräume über diese und viele andere Fragen rund um Männlichkeit, männliche Sozialisierung und Psychotherapie gesprochen. Hört rein!

Filmwishlist für August & Sommermelancholie from the past
Juli ist Redaktions-freie Zeit bei eh-fast-allen (Film-)magazinen weshalb ich hier wieder einmal nicht so viel anzubieten habe, was nischig und neu ist. Trotzdem hier meine Filmwishlist für August und zwei Leckerlis aus der Vergangenheit, die mich im letzten Monat begleitet haben.
Love Lies Bleeding (Regie: Rose Glass)
Glücklicherweise hat Alexandra Seitz für ray eine Rezension dazu geschrieben, die das alles viel besser zusammenfasst, aber: Kristen Stewart, die mit einer Profi-Boxerin durchbrennt? Klingt. Einfach. Gut.
The Trap (Regie: M. Night Shyamalan)
Ich glaube ich bin nicht die Einzige, die auf diesen Film wartet, wenn man sich die dreiundzwanzig Millionen (!) Aufrufe für den Trailer anschaut. Aber … nach dem Trailer will man einfach wissen: WAS IST DER ZWEITE TWIST?!
Cuckoo (Regie: Tilman Singer)
Keine Ahnung, was es diesen Sommer mit Horror-Thriller-Filmen auf sich hat. Aber alleine wegen Hunter Schafer würde ich dafür ins Kino gehen!
Maudie (Regie: Aisling Walsh, 2016)
Ich habe seit Titanic bei keinem Film mehr so bitterlich geweint, wie hier! Diese absolut nischige Storyline über die kanadische »Volkskünstlerin« Maude Lewis ist gelinde gesagt herzzereißend. Und Sally Hawkins + Ethan Hawke eine top-tier-Besetzung. Große Empfehlung!
Shape of Water (Regie: Guillermo del Toro, 2017)
»Pans Labyrinth« ist sowieso seit Teenagertagen einer meiner Lieblingsfilme. Dass ich den preisgekrönten »Shape of Water« bisher nicht gesehen hatte, hat mich selbst überrascht. Über den Umweg von Sally Hawkins (über die ich zurzeit etwas »obsesse«) bin ich dann doch dazu gekommen, ihn zu schauen. Und oh my: Das ist ästhetische Kraftnahrung für die Augen!
Aus dem Youtube-Rabbithole
Wie immer, einige meiner inhaltlichen Favoriten dieses Monats:
The Real Sex Workers Experience: https://www.youtube.com/watch?v=YPU9kdF6HTo
Sexless Marriages:Can they be happy? https://www.youtube.com/watch?v=PnfZEHpNm5I
Are you straight or is it just compulsory Heterosexuality? https://www.youtube.com/watch?v=P6Y1Wy3huCM
Should LOVE be this hard? https://www.youtube.com/watch?v=M7xaGWOjMf4
Und sonst so?
Sonst mache ich einen Polnisch-Sprachkurs, der popkulturelle Elemente nicht ausspart. Hier also zum Abschluss ein Glanzstück der letzten Wochen: