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September 12, 2024

Wake me up when September ends ...

From the very much recommended exhibition »Euforia« about Warsaw Club Culture after 1992 at Wola Museum

Sweet, sweet Melancholy! Oder doch eher: Bitter, bitter Misogyny? Den August-Newsletter habe ich einmal mutwillig geskippt, weil es eh viel zu heiß für irgendwas war. Um so freudiger finde ich mich jetzt im September wieder, der mit einem Temperatursturz von zehn bis zwanzig Grad in Europa den Herbst eingeläutet hat: Yeay! Einen mindestens genauso großen Sturz erlebte das Internet, als Linkin Park letzte Woche ihre Reunion ankündigte. Obwohl Reunion vermutlich das falsche Wort in diesem Zusammenhang ist. Denn jeder halbwegs vernünftige Mensch und Millennial weiß, dass niemand den ikonischen Chester Bennington ersetzen kann, der sich vor sieben Jahr tragischerweise das Leben nahm. Linkin Park war ein crucial Teil meiner jugendlichen Verlorenheit und hat Millionen anderen Menschen, die irgendwo im ersten Quartal des 21. Jahrhunderts ihre Pubertät hatten, durch das eine oder andere dunkle Tal geholfen. Then, what's the crux here? Ja, also räusper, der neue Lead-Vocalist ist Emily Armstrong. Und für alle, die die letzten paar Tage nichts von dieser Schlammschlacht im Internet mitbekommen haben: Armstrong ist in Scientology hineingeboren und war vor ein paar Jahren beim Prozess eines Fellow–Scientologen und inzwischen verurteilten Vergewaltigers anwesend. Zu letzterem Vorwurf hat sie sich inzwischen geäußert und distanziert. Zu ihrer Scientology-Vergangenheit (oder Gegenwart?) hat sie noch keine genauen Angaben gemacht. Das ist der Status Quo und mehr will ich auch nicht darüber sagen – Dazu kann sich jeder selbst die immergleichen drei Quellen auf Reddit oder Youtube reinziehen, zu denen ein Haufen männliche Metal-Influencer ihre Monologe darüber halten, wieso das ein Skandal ist. 

Warum ich darüber sprechen möchte? Weil für mich diese Schlammschlacht gegen Armstrong ein Exempel für die verkappte Misogynie darstellt, die in dieser »Szene« vorhanden ist. Denn, guess what: Die Frau kann singen und screamen! Und ist offen queer! Yes, man kann Linkin Park absolut dafür in die Verantwortung ziehen, dass sie kein Statement dazu vorbereitet haben – wo es doch offensichtlich ist, dass dieses Thema bei ihrer Millionen-Fangemeinde früher oder später aufkommen würde. Dass so kurz nach Veröffentlichung ihres Livestresms schon ein solcher Shitstorm auf die Frontfrau hereingebrochen ist, scheint aber beachtlich. Das hier ist obviously alles nur meine Meinung und solange nichts endgültig ausgesagt ist, sollte man kein Urteil über Wahrheit oder Falschheit irgendeines Sachverhalts stellen. Doch von einer Unschuldsvermutung »im Zweifel für den Angeklagten«, wie sie doch so oft in Fällen von sexuellen Übergriffen oder Machtmissbrauch von männlichen »Rockstars« in der Vergangenheit angenommen wurde, war in der letzten Woche jedenfalls wenig zu sehen. Ich bin mir fast sicher, dass die »Fans«, die die Klappe jetzt so weit aufreißen, genau dieselben Personen sind, die kurz vor Benningtons Tod noch über LPs neue Richtung verächtlich gehatet haben und sich parallel dazu ohne mit der Wimper zu zucken den neuen Tom Cruise Streifen im Kino reinziehen würden. Aber für mich sind das Leute, die gerne an der Vergangenheit festhalten, und denen man dringend »Sex Revolts« als Selbstreflektionslektüre vorlegen sollte. Mit alldem sei nicht gesagt, dass man nicht objektiv der Meinung sein kann, dass frühere LP-Alben besser waren. Man muss deswegen aber nicht allen anderen »danach« mit Hass begegnen. Und der ein oder andere sollte sich vielleicht damit beschäftigen, welche Macht Scientology auf ihre Mitglieder hat. By the way: Hat sich einer von euch die Lyrics zur neuen Single von LP genau angeschaut? Ich sag’s nur. Zum Schluss lass ich noch ein Video von Alexander Prinz (mit dem ich sonst nicht immer einer Meinung bin) da, in dem ich das Thema gut auf den Punkt gebracht fand, genauso wie eins mit einer etwas anderen Meinung von Bryony Claire. So. End of Rage. Ab jetzt wird es hier softer! 

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Inside the Brain of an Extrovert 

Ich habe meinen ersten Englischen Podcast aufgenommen und war ein nervous Wreck! Ganz unpassend zum Thema würde man meinen, doch auch extrovertierte Menschen sind manchmal ängstlich in sozialen Situationen: Denn darum ging es im Grunde! Maria Janczak und ich würden uns beide eher am »Extroverts«-Spektrum begreifen und haben einen Deep-Dive darüber gemacht, inwiefern das mit Geschlechterrollenbildern, unserer Vergangenheit und einem Leben als »Künstlerin« zu tun hat. Den neuen Podcast könnt ihr hier beim Anbieter eures Vertrauens finden und ich freue mich (wie immer) auf Kommentare und weitere Diskussionsanregungen :) 

Eure Film-To-Dos für den September! 

Langsam tröpfeln die Veröffentlichungen wieder in meinen Posteingang, denn: wenn das Wetter abkühlt, werden auch die Kinosäle voller! Hier also wieder meine Kinohighlights :3 

Longlegs (Regie: Oz Perkins)
Die Stimmen im Horror-Subreddit dazu sind gemischt, doch für mich ist und war dieser Film einer der vermutlich gruseligsten, die ich je gesehen habe. Und das durch eigentlich so wenig. Perkins macht klar, dass im Nicht-Geschehen die eigentliche Kraft liegt. Unsere Jumpscare-abgestumpften Gehirne halten das nämlich gar nicht aus, wenn in der größten Beklemmung dann einfach nichts passiert. Und dann doch. Zack. Bumm. Nicolas Cage! Meine große Empfehlung zum Einläuten der Spooky-Season! 

Daaaaaali! (Regie: Quentin Dupieux) 
»Dupieux dreht mit fortschreitender Laufzeit so lange an der Surrealismus-Schraube, bis Wiederholung und Variation schließlich zur faszinierenden Zeitschleife werden«, so Oliver Stangl in seiner Rezension im ray Magazin. Und besser kann man es vermutlich nicht beschreiben? Der Viennale-Favorit ist nun endlich auch im Kino und lässt Salvador Dali in grotesker Weise wieder auferstehen! 

Die Fotografin (Regie: Ellen Kuras) 
Und gleich ein zweites Biopic! Ich habe den Film ehrlicherweise noch nicht gesehen, aber er steht auf meiner Wishlist. Der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte ist die Biografie von Lee Miller (gespielt von Kate Winslet), die besonders Ikonisch für die Ablichtung von sich selbst in Hitlers Badewanne geworden ist. Abseits davon war sie eine Pionierin der Kriegsfotografie. Wusstet ihr nicht? Dann ab ins Kino! 

Favoriten (Regie: Ruth Beckermann) 
Und um dieses Vierergespann abzurunden, jetzt auch noch ein Dokumentarfilm. Ich war ziemlich überrascht, als ich mich eines Nachts plötzlich mit Ruth Beckermanns Sohn in einer verrauchten Küche wiederfand und er mir Hintergrundgeschichten über seine Mutter erzählte. Besonders hängen geblieben sind seine Erzählungen zu ihrem neuesten Film »Favoriten«, der schon im März die Diagonale eröffnet hat und Einblicke in einen Schulalltag gibt, der von der Österreichischen Bildungspolitik so gerne ignoriert oder stigmatisiert wird. 

Moaning in September!

»Die Neugier am eigenen lustvollen Empfinden war jedenfalls bei mir als Kind schon sehr groß und ich hatte genug Freundinnen, mit denen ich das in den erwähnten Rollenspielen erkundete. Das Tantra-Buch mit den interessanten Bebilderungen, ließ ich regelmäßig mit meiner Freundin aus dem Regal meiner Eltern verschwinden, wenn sie zu Besuch war. Alles wurde ausprobiert. Trotzdem war es dieses riesige »Geheimnis«, von dem unsere Eltern ja nicht erfahren durften. Scham, die mit Sexualität einherging, inhalieren wir schon als Volksschulkinder. (...)« → September is
Bi-Visibility-Month und ich habe dazu eine kleine lighthearted Storytime in meinem Blog verfasst! Hier geht es zum ganzen Text!

Youtube-Commentary des Monats: 

Even Healthy Couples Fight – The Difference is How: https://www.youtube.com/watch?v=nBN9zG1JNPg
The toxic comeback of 2000s thin culture & why we MUST reject it in 2024: 
https://www.youtube.com/watch?v=OHXyf4qoXvU
Where
Do The Quiet Gays Go? Parties, Protests, and the Queer Community: https://www.youtube.com/watch?v=NS_s1A8UaKk
Matt
Rife, The Patriarchy Won't Save You: https://www.youtube.com/watch?v=XJr_xGYJ8Bc

Ansonsten: See you in October, Vienna!

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