Is There Anybody Out There?

Jetzt habe ich es wirklich fast geschafft! Noch dreimal schlafen und es ist ein halbes Jahr her, seit ich meinen letzten Newsletter hier versendet habe. Dazwischen war’s heiß, dann hat’s viel geregnet, dann war’s wieder heiß, dann warm, dann kalt und jetzt brüllt mir bei drei Grad Außentemperatur trotzdem die Sonne ins Gesicht. Ich hoffe also, alle, die das hier lesen, hatten einen tollen Sommer, Herbst & Winteranfang? Außerdem ein spätes Happy Halloween für alle, die das zelebrieren! Meine Abwesenheit hier hat tatsächlich wenig damit zu tun, dass irgendwas Großes oder Lebensveränderndes passiert wäre. Nein. Eigentlich ging es mir ganz gut, oder halt durchmischt, wie man so sagt. Seit Anfang Juni habe ich sicher auch viel geweint, aber mindestens zehn Mal so viel gelacht. Auch wenn’s objektiv gesehen nicht immer viel zu lachen gibt. Mein engstes Umfeld hat das wieder wettgemacht. Es sind Freund:innen gegangen und andere dazugekommen, Menschen wurden geboren, andere hatten Geburtstag und ich überraschenderweise keine größere sommerliche Saisondepression (Halleluja, Antidepressiva!).
Aber was ist es dann? Das hier sollte doch mein selbsterbauter safER Space sein. Wahrscheinlich hatte und habe ich einfach die massivste Schreibblockade seit langem. Zumindest, was die angenommene Relevanz oder das eigene Schreiben für mich selbst betrifft. Dafür muss man wohl gar nicht in einer schlimmen Krise stecken. Denn nichts für ungut, aber in schlimmen Krisen fließen die Worte meistens eh von selbst aus meinen Fingern. Die wahre Kunst ist es, auch dann zu schreiben, wenn man gerade nicht von seinen dunklen Feelings gefueled wird. Sondern wenn man „stabil“ ist – was auch immer das genau bedeutet.
(Ganz tolle neue Musik von Orange Gone im nächsten Link zum Innehalten, Weiterlesen oder simply for the feelz)
Gerade eben schreibe ich mit weißem Font in ein weißes Google-Doc hinein, weil das die einzige Art ist, wie ich mich selbst in ein Freewriting-Mindset nudgen kann. Etwas, wofür ich in den Schreibworkshops mit meinem tollen Team hinter Off-Script immer plädiere: einfach drauflosschreiben, Stift nicht absetzen, und wenn nichts einfällt, trotzdem weitermachen – auch wenn nur Blödsinn kommt; Grammatik und Satzzeichen völlig egal. Oder wie hier: in den Laptop hineinklackern, ohne zu sehen, was ich schreibe.
Ich war auch schon fast wieder dabei, meine eigenen Projekte komplett aufzugeben: meinen Podcast, den ich gerade schleifen lasse, diesen Newsletter, meinen Blog, der sowieso seit einem Jahr im Tiefschlaf ist. Fakt ist und darauf musste mich mein Partner in Crime aufmerksam machen: Ich mache sehr viel gleichzeitig. Und obwohl das stimmt (ich bin immer die mit den hundert Projekten), ist es auch diese tief in mich eingeschriebene, angelernte, sozialisierte Wie-auch-immer-man-sie-nennen-will-Haltung, dass meine Worte und meine Stimme keine Relevanz haben. Dass sie „eh niemand liest“, dass ich „eh nirgendwo damit hinkomme“. Anstatt zu schreiben, mache ich mich mit solchen Mantras fertig, anstatt zu schlafen und dann schreibe ich am nächsten Tag wieder nicht. Erst als ich vor einer Woche Alice Lovegoods Newsletterbeitrag „30 Days of Just Saying It“ gelesen habe, hat es bei mir bing gemacht. Ich schreibe ja beruflich viel, aber was treibt einen da? Deadlines, Verpflichtungen, „Aufgaben“. (Selbst wenn auch das alleine manchmal nicht alle Zweifel an der eigenen Credibility beseitigt) Trotzdem: Es gibt ein Ziel.
Mein Ziel ist es jetzt, die vier Adventwochen zu nutzen, um wieder in eine Routine mit meinen Gedanken, meinen Zwischenräumen und meinen Leidenschaften zu kommen. Aber ich will euch auch nicht einfach nur den Posteingang zuspammen: Was wollt IHR Leser:innen gerne hören, wenn ihr den Laptop aufklappt? Personal-Style-Essays? Oder lieber Filmrezensionen? Links aus meinem YouTube-Fundus? Musikempfehlungen? Podcasts? Schreibübungen und Lebensweisheiten? Was reizt euch noch im Dschungel der Überauswahl?! Was soll dieser eine Newsletter sein, den die anderen zwanzig in eurem Posteingang noch nicht haben?
Ich werde diesen Dezember nutzen, um hier und im Außen ein paar Meinungen einzufangen. Solang werdet ihr trotzdem von mir hören, ich werde meine wochenaktuellen Gedanken ausspeien und ihr werdet sie lesen oder auch nicht. Aber ich freue mich!
Und weil bald WEIHNACHTEN ist, will ich meine eigene „Neuerfindung“ im Newsletter dafür nutzen, euch ein paar andere tolle Newsletter vorzustellen. Anfangen möchte ich mit meiner alten WG-Mitbewohnerin, journalistischen Kollegin und tollen Freundin Jana Wiese. Sie war diejenige, die mich überhaupt erst inspiriert hat, mit einem Newsletter anzufangen. Neben ihrem Foodblog Zuckerbäckerei, den sie seit 2009 (!) betreibt, war sie lange Zeit Podcast-Pionierin, ist Sketchnoterin (wie cool ist das?), Redakteurin bei der Futurezone und zeigt, wenn nötig, auch Missstände im Journalismus auf. Aber vor allem ist sie ein ideelles Multitasking-Talent und genau das spiegelt auch ihr Newsletter wider. Und das mag ich so gerne daran: Neben der Kulinarik finden sich darin alle möglichen popkulturellen Links, journalistische Referenzen und ganz viele Bilder, bei denen einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Sehr antizyklisch erscheint ihr Newsletter außerdem immer am Sonntag – was ihn zu einer perfekten Sonntagslektüre macht.
Also: Schaut rein, meldet euch an, give it a try – was auch immer! Ihr werdet es nicht bereuen.
Damit: Arrivederci, Cześć und bis nächste Woche,
Eure Ania <3
