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June 5, 2025

Girl, so confusing

Endlich Sommer in Berlin!

Hallo, Welt! Habt ihr mich vermisst? Die letzten Maiergüsse hinter uns gelassen, weckt der Juni auch noch die letzten (mich) aus dem Winterschlaf. Und während sich alle großen Firmen mit Punkt 1. Juni, 00:00 die Prideflaggen auf ihre Logos knallen, rolle ich mit blau-lila-rosanen Fingernägeln nach dem dritten Snooze aus dem Bett des Motel Ones am Alexanderplatz in Berlin. Welcher Wochentag gerade ist? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Der erste Blick aufs Handy ist depremierend. Nichts neues im frischen 2025. Hat also doch der ultrarechtskonservative Kandidat im polnischen Präsidentschaftsrennen gewonnen. Knapp, aber eigentlich auch nicht. Prognose: Fünf Jahre weiteren Stillstand für mein geliebtes Polen. Dabei hätte jetzt wirklich auch wieder mal die Demokratie das gebeutelte Land überholen können. Aber das wäre ja zu einfach. Zwischen Fernsehturm und Frühstücksbuffet sind es auch nur ein paar hundert Meter Luftlinie, denke ich mir belanglos und klatsche mir noch einen Löffel veganes Naturbiokokosjoghurt in die Schüssel mit den frischen Früchten.

Fast Forward: Nicht einmal zwölf Stunden später stehen wir im Getümmel vor dem Wiener Volkstheater. Mit meinem Partner wird noch der Backupplan besprochen, bei Nicht-Durchhalten des Festwochenspektakels, den Reißaus zu nehmen. Wir nicken uns zustimmend zu. Aber die fast vierstündige (!) Darbietung von Carolina Bianchi Y Cara de Cavalo ist eins der besten Dinge, die ich seit langem im Theater gesehen hab. Synopsis? Ein Ohrwurm von Alphaville und die Leere, die entsteht, wenn man begreift, dass Brotherhood das allumfassendste Phänomen unserer Zeit ist. Aber lasst uns das Partriachat für diesen Pride-Month doch einmal mit gehörig Widerstand und Glitzer aus dem Blick schwemmen. Dann tut es vielleicht auch kurz weniger weh.

Es keat oanfach viel mehr gschmust

Ähnlich wie dieser Newsletter von den letzten Monaten verschluckt wurde, hat auch #Zwischenräume den Rhythmus etwas an mein Rumgewusel anpassen müssen. Umso schöner ist es, dass ich mit der lieben Katharina letzten Monat über mein Lieblingsthema reden konnte: Sex. Dabei sprachen wir unter anderem über Körper, Begehren und darüber, wie viele von uns als FLINTA*-Personen schon früh gespürt haben, wieviel Sex sein darf – und wieviel nicht. Wer die feuchtfröhlichen einundsiebzig Minuten noch nicht gehört hat, der sollte das jetzt unbedingt hier nachholen. Und vielleicht kommt ja doch noch eine Pridemonth-Folge?

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Cinematographische Erlebnisse der letzten Monate

Zwischen den vielen parallelen Projekten in meiner Agenda zur Zeit, sind sich schockierenderweise nur marginalwenige Filme ausgegangen. Deswegen kommt hier jetzt alles gute und schlechte rein, ein ungefilterter Strom. Jetzt neu: Mit AMA-Gütesiegel versehen.

Austroschwarz (Regie: Helmut Karner, Mwita Mataro)
Blue Kid ist anders. Ohne es sich ausgesucht zu haben und ohne etwas daran ändern zu können, lebt Blue Kid in einer Welt voller „Greens“, zu denen es offensichtlich nicht gehört. Um nicht aufzufallen, malt es sich grün an. Bis es das eines Tages vergisst. Mit dieser Geschichte eröffnet Austroschwarz, der erste Film von Musiker und Künstler Mwita Mataro. In einem sorgfältig gebauten Miniatur-Universum entwickelt Mataro ein metaphernreiches Setting, in dem Blue Kid für all jene steht, die in Österreich als Schwarze Kinder geboren werden – und nie ganz dazu gehören. (Die ganze Review ist bei Ray erschienen).
Prädikat: Bedeutungsschwanger empowernd

Happyland (Regie: Evi Romen)
Neunzig Minuten ernüchternde Existenzerschütterung sind garantiert – sowohl im Kino als auch beim Versuch, sich entlang der Donau ins echte Klosterneuburger Happyland zu schleppen, um dort den Spaß seines Lebens zu haben. Ähnlich trostlos fühlt man sich nämlich, wenn man Evi Romans Protagonistin Helen(e) in Happyland von London nach Niederösterreich folgt – eine gescheiterte Rockmusikerin, die ausgerechnet dort mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. (Die ganze Review erscheint in Kürze bei Ray)
Prädikat: Ösi-Punk mit Leberkäsvernebelung

Halston (Regie: Daniel Minahan)
Wenn meine Mutter mich anruft, um mir zu sagen, dass ich doch unbedingt eine bestimmte Netflix-Serie schauen soll, dann gebe ich meistens nach. Der verkokste Fiebertraum des Modedesigners Roy Halson Frowick, der sich in der fünfepisodigen Miniserie mit lautem Crescendo in den Abgrund eskaliert, ist zurecht jetzt auch Tocher-approved. Nach den fünf Folgen will man jedenfalls unbedingt im New York der 1970er Jahre leben.
Prädikat: Halluzinationshautevolée

Aftersun (Regie: Charlotte Wels)
Ich sag’s ganz ehrlich: Diesen Film habe ich bewusst drei Jahre vor mir hergeschoben, weil es eines dieser melancholie-getriebenen Sundance-Streifen ist, der an meinen tiefsitzenendsten emotionalen Knospen rührt und diese einmal direkt durchs Herz gestochen zum Blühen bringt. Kein Wunder also, dass mir die Tränen noch zehn Minuten nach dem Abspann über die Wangen kullerten, nur weil ich nicht darüber hinweggekommen bin, wie schön die letzte Kameraeinstellung allein war. (tbh: mir kommt jetzt schon wieder das Heulen, während ich das schreibe) Unglaublich zu denken, dass das das Erstlingswerk der Regisseurin war. Und Paul Mescal? Ich muss nicht mehr sagen, glaube ich …
Prädikat: Nachglühend


Über Musik und schwebende Körper

Max Mrak aka Orange Gone hat ein Album für das Dazwischen geschrieben, und ich liebe es. Perfekt, um auf dem Regenbogen ins Tal zu driften. Mein Interview mit ihm ist in voller Länge bei Mica erschienen.

Ich habe diesen Körper darin immer wie eine Brücke gesehen, der sich über ein Tal legt.

Max Mrak: Stimmt! Für mich schwebt er, aber wenn er für dich liegt, ist das auch schön. Wenn man den Titel wörtlich nimmt, ist es ein Körper, der liegt.

Ist beides schön, irgendwie. Als Brücke zwischen zwei Enden oder als losgelöstes Wesen, das sagt: Ich existiere außerhalb dieser Normen.

Max Mrak: Und dann fragt man sich: Gibt es diese Enden überhaupt? Gibt es einen Ort, an dem man wirklich landet? Oder ist man einfach immer im Schweben, im Hin- und Hergerissen-Sein? Vielleicht ist das eine unbeantwortbare Frage. Aber für mich persönlich ist genau das gerade der Ort, an dem ich bin.

Schwebezustand ist oft negativ konnotiert. Das unterschreibe ich nicht! Vielleicht ist Schweben ja sogar genau der Zustand, in dem man nicht mehr hin- und hergerissen ist.

Max Mrak: Aber ich glaube, das eine ist der Idealzustand des anderen. Am Anfang und am Ende des Albums schwebt dieser Körper – aber der Blick darauf verändert sich. Zuerst ist es eine Unruhe, ein Unbehagen, am Ende mehr Akzeptanz für das Ungewisse.


Sonstiges aus dem Internet-Rabbithole

Is BDSM roleplay or reality: https://youtu.be/D9ieMuZM748?si=ZQkOFrA9nqheJqPt
The Motherhood Paradox: Abandoned yet adored: https://youtu.be/naptBbhVtAs?si=8h9oDlB21kMRXMs6
Sind Männer Monster: ADOLESCENCE: https://youtu.be/SC1mLigjAxA?si=W-pIqZs0YFtZDLEL

The Problem with Polyamory Representation: https://youtu.be/B3qkHyea_lI?si=oamcYcV1Ffp88536 

My Kids Asked About Pride – Here's What I Said // A Guide for Parents: https://youtu.be/K70PsCEBBL0?si=nR_-0tnKA5To8BhA
Keeping it on the DL with Topher Taylor https://open.spotify.com/episode/01s2fwwiaxQwIUOOkNE5u8?si=_ojM0PHZQMCQI_RgdwobHA

Kurze Werbeeinschaltung zum Schluss

Mein Freund Tico und ich haben Ende Mai die philosophische Performance »Körper in Zwischenräumen« uraufgeführt, die gefragt hat, warum der weiblich gelesene Körper so oft Projektionsfläche ist, Kampfraum, Schweigen –
und was es braucht, um ihn sich zurückzuholen: tastend, sprechend, spürend. —> Am 25. Juni gibt es im Atelier Analog nochmal die Möglichkeit ebendiese zu sehen!

Körper in Zwischenräuen © Tom Zeitlhuber

Zum Abschied: Ich fahr übrigens am Freitag aufs WGT nach Leipzig, wo es nochmal zehn Grad kühler wird, bevor der nächste Klimawandelfünfundvierziggradsommer uns zerknirscht :D Schönen Sommeranfang!

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