đ§łWir suchen ihren Koffer [Undisruptable Technology - Ausgabe #312]
#312, 3. Juli 2026
Guten Morgen,
wenn man eine Social-Media-Auswertung ĂŒber verschiedene Dienste will (also zum Beispiel Follower-Wachstum, BeitrĂ€ge mit dem meisten Engagement etc. pp.), dann hĂ€tte man sich dafĂŒr frĂŒher eine passende Lösung eingekauft oder einen Dienstleister gesucht. Heute? Setzt sich jemand hin und vibecoded das. Nein, nicht ich. Jemand ohne echte Programmiererfahrung. Und: es funktioniert. Ist das guter Code? Wahrscheinlich nicht. WĂŒrde er an seine Grenzen stoĂen, wenn man jetzt noch drölfzig neue Features einbauen will? Wahrscheinlich schon. Aber tut er jetzt das, was er soll? Ja, genau das. Und genau das ist es, was den Unterschied macht - und vermutlich die Softwarebranche ein kleines bisschen unter Druck setzen könnte (weitere GrĂŒnde auch im neuen Bitkom-Papier âSoftwarewelt 2036â) (Disclaimer: Bitkom ist mein Arbeitgeber, das hier ist mein privater Newsletter.)
WĂ€hrend solche Digitalprojekte ĂŒberraschend einfach geworden sind, fragt man sich bei anderen tatsĂ€chlich nur: wtf? Zum Beispiel das Fliegen. Also erstmal dickes Lob an den BER, ich bin da ja selten, aber die Parkplatz-Vorabbuchung zum Bringen ist ja sowas von voll durchdigitalisiert und problemlos, man glaubt, man sei in Italien oder so. Gut, beim Koffer-self-check-in hat es nur bei einem von vier Passagieren geklappt, bei den anderen aber immerhin am Schalter. Blöd halt, dass von der reisenden Schulklasse die HĂ€lfte der Koffer nicht am Zielflughafen ankamen. Kann ja mal passieren.
Was bei mir aber dann doch dicke Fragezeichen auslöst ist dieses âWir suchen ihren Kofferâ im Online-Portal der Airline. An den Dingern hĂ€ngen Barcodes. Die fahren durch einen Flughafen, wo doch ein kleines bisschen auf Sicherheit geachtet wird. Wie kann das eigentlich sein, dass man nicht an jeder Stelle genau weiĂ, wo die sind? Und wieso kann man das im Jahr 2026 nicht Ă€ndern? Wenn sich jeder Passagier theoretisch so einen Tracker in den Koffer werfen kann, wieso können das FlughĂ€fen, Flugggesellschaften oder sonst wer, der das Zeug befördert, eigentlich nicht? Kostet Geld? Wahrscheinlich. Aber die Ausgaben fĂŒr die Leute, deren Koffer nicht mitfliegen, zahlt ja auch wer. WĂŒrde sich das nicht eventuell rechnen? Vielleicht sollte mal jemand dort einen Prototypen vibecoden.
Bis nÀchste Woche,
Andreas Streim
Ten news that fit to send
Claude Science is Anthropicâs newest flagship product: Alle reden von Mythos oder Fable, aber vielleicht ist das ja viel spannender? âAt an event for pharmaceutical executives, biotech founders, and researchers on Tuesday, Anthropic announced Claude Science, a major new product intended to support scientific research in the same way that Claude Code supports software engineering.â Und offenbar will Anthropic nicht nur ein Tool bereitstellen: âArmed with Claude Science, it will be pursuing its own research into drug candidates for neglected diseasesâboth to help move science forward and to gain a clearer sense of how Claude Science works in the real world.â
Meta, like SpaceX, looks to turn excess AI compute into cash: Es war einmal ein Online-BuchhĂ€ndler, der so viel RechenkapazitĂ€t hatte, um das WeihnachtsgeschĂ€ft zu erledigen, dass er sich gedacht hat, den Rest des Jahres könnte er das doch vermieten. Die Idee von AWS war geboren. Und jetzt? Macht Meta das Amazon? âOn Wednesday, Bloomberg reported that Meta is developing plans for a cloud infrastructure business, selling access to both AI compute power and models. The move would pit it against the big cloud providers like Amazon Web Services, Google Cloud, and Microsoft Azure.â
Ford rehires human engineers after AI fails to match quality checks: Ups. Ford hat erst vielen seiner âQuality Engineersâ gekĂŒndigt, weil Kameras & KI jetzt deren Jobs macht. Und dann festgestellt, dass die KI es doch nicht so hinbekommt und die Leute wieder zurĂŒck eingestellt. Learning daraus: â"Mistakenly, we thought that by just introducing artificial intelligence and ingesting the design requirements that we had, that would produce a high-quality product.ââ
SpaceX has an AI device prototype, and it sure sounds phone-ish: Elon Musk hat eine Mega-Innovation im Köcher, wird behauptet (er sagt: Blödsinn): Ein Telefon. âThe prototype is reportedly sleeker and slimmer than an iPhone, making us wonder if itâs something between a small touchscreen phone and a Rabbit R1. SpaceX reportedly showed the device to investors and stakeholders before it went public, and told them itâs at an early enough stage that the design could still change.â
Why Wonât Europe Build AI Data Centers in Iceland?: Ich finde die Frage, wenn man sie mal gestellt hat, echt naheliegend: Warum baut Europa die Rechenzentren nicht (abgesehen von denen, die wirklich direkte NĂ€he brauchen) dort, wo die Bedingungen am besten sind? âYet, roughly 1,800 miles north, an island runs its servers on volcanoes and waterfalls, cools them for free, and hosts 80-150 megawatts of Europeâs AI.â Und wenn man dann genauer hinschaut, dann ist es auch nicht so einfach (z.B. die KapazitĂ€t von Unterseekabeln und so), aber der Kern des Textes ist schon interessant: âThe argument is that Iceland is the clearest example of a continent wide pattern. Europe is sitting on a belt of exactly this kind of advantage (Iceland and Norwayâs geothermal and hydro the volcanic energy under parts of Italy and Hungary) but treating it as an afterthought instead of a strategic asset.â
How the AI bubble could pop and take down the global economy, according to the BIS: Wenn die Zentralbanken sich Sorgen machen, dann wĂ€re es vielleicht doch auch Zeit, sich Sorgen zu machen. Also weniger wann die allgemeine, menschenĂŒberlegene KI da ist, sondern wann die KI-Blase platzt. Und es gibt auch eine kleine Geschichtsstunde: âIn its annual report for 2026, the Bank for International Settlements compared the current craze to historical events, including canal and British railway mania in the 1800s, electrification exuberance of the 1920s, and the dotcom boom of the 1990s. The report states: âall shared one common trait: a genuine technological breakthrough that attracted capital in excess of what commercial returns could ultimately justify.â
âMagnificent Sevenâ Lost $2.3 Trillion in Market Value This June: Wo wir gerade bei groĂen Zahlen sind, die hier fand ich auch beeindruckend: âThe group known as the âMagnificent SevenââNvidia, Meta, Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, and Teslaâhas lost more than $2.3 trillion in market value this June.â Und warum? âWhile these companies are investing hundreds of billions of dollars in the development of AI infrastructure, uncertainty is growing regarding how and when these investments can be converted into scalable revenue.â
Artificial adventures: Das ist ein sehr persönlicher Bericht darĂŒber, was KI(-Agenten) bei der Softwareentwicklung bringen. Und was nicht. Es ist teilweise ein bisschen ernĂŒchternd, vor allem aber interessant, weil der Autor in erster Linie eine interessierte und offene Perspektive hat: âThe experience so far has been pretty fun. It probably helps a lot that I'm explicitly experimenting and on unimportant projects, rather than being forced to use this in my day job. But these are fascinating little creatures - probably the most interesting thing that has happened in my lifetime.â
Sony Deletes 551 StudioCanal Movies PlayStation Owners Paid For: Kurze Erinnerung (auch fĂŒr mich): Die meisten Buttons, auf denen âKaufenâ steht, lĂŒgen. Wenn man das Kleindgedruckte liest, wird das auch klar. Liest aber halt nur niemand. âSony plans to wipe 551 movies and TV shows from the PlayStation Store libraries of customers who paid full price for them. The deletion is coming on September 1 and so far the company has said nothing about giving anyone their money back.â Irgendwann kommen die auf dem Schulhof getauschten Raubkopien bestimmt wieder zurĂŒck.
Goveeâs smart nugget ice maker makes every iced drink feel like a luxury: Dieser kleine Newsletter hat sich ja digitalen Disruptionen verschrieben und manchmal sind das Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Also Eismaschinen sind ja hierzulande ohnehin selten, aber smarte Eismaschinen? âThe app control is quite convenient. I could start ice production from my phone while working at my desk, and by the time I wanted an iced latte, there was fresh nugget ice ready to go without ever having to walk to the kitchen to turn the machine on. The app also shows ice production in real time and how much is currently in the ice bin, which is useful for wanting to stop production when you just want a certain amount.â. Kostenpunkt: 500 Dollar.
Undisruptable Technology im Bild

Werbung kann ja zum einen unterhaltsam sein, zum anderen werden da manchmal ja durchaus ernsthafte Themen angesprochen. Wie hier, wenn sich Anthropic und OpenAI battlen.
Und zuletzt...
Gibt es eigentlich einen KĂŒndigungsschutz fĂŒr KI-Agenten? Und welche Gewerkschaft ist fĂŒr eigentlich hierzulande zustĂ€ndig? Denn der Artikel hier ist wirklich lustig. ",Ich habe gerade die HĂ€lfte meiner KI-Agenten gelöscht, weil sie unzuverlĂ€ssig warenâ, sagte Rashidi, Chief Strategy Officer des Datensicherheitsunternehmens Cyera und Senior Fellow an der Harvard Kennedy School.â Wer selbst schon mal KI-Agenten eingesetzt hat, weiĂ was sie meint. Den anderen möchte ich aus meiner ganz persönlichen, sehr kleinen Erfahrungswelt sagen: âIch habe Deine Erinnerung eingetragen." - und zwei Tage nach dem Termin. âEntschuldige bitte, ich habe nur gesagt, dass ich die Erinnerung eingetragen habe. Ich habe aber vergessen, das Tool aufzurufen.â So ungefĂ€hr.
Und was an dem Artikel noch sehr schön ist, ist ein neuer Begriff den ich gelernt habe: Botsitting. Botsitter sind âMenschen, die jede Woche viele Stunden damit verbringen, KI-Systemen zusĂ€tzlichen Kontext zu liefern, Fehler zu beheben und fehlerhafte Ergebnisse nachzubessern. Dem Bericht zufolge verbringen BĂŒroangestellte durchschnittlich 6,4 Stunden pro Woche mit dieser oft ĂŒbersehenen Arbeit â fast einen kompletten Arbeitstag.â