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February 7, 2024

Zwischen den Zwischenzeilen

When in Rome

Hello New One! Bis vor zwei Wochen hätte ich noch nicht gedacht, dass ich hier heute schreiben würde, but there we are – Willkommen beim Zwischenräume-Newsletter! Der Plan ist vage, aber das Ziel ist klar: Ich will euch mit dem füttern, was für mich im vergangenen Monat Futter für noch mehr Dazwischen war. Außerdem erzähle ich euch ein bisschen was zur neuesten Zwischenräume-Episode und the all-inbetween of my thoughts. Sei das, was mich aktuell beruflich, politisch, persönlich oder philosophisch beschäftigt. Viel Spaß beim Lesen!

Lang lebe die Vergänglichkeit

Uff. Wirklich? Sie beginnt ihren ersten Newsletter gleich mit dem infamous Thema No.1? Ja, I guess. Und vielleicht auch genau deswegen. Aber in letzter Zeit kam es mir vor, als würde das Thema mir wieder regelrecht in den Schoß fallen. Dabei denke ich, seit ich denken kann, schon darüber nach. Mein Vater war schon im Kindergarten um einiges älter als die anderen Väter, und der erste Gedanke, vor dem ich als Kind bewusst Angst hatte, war, dass er früher sterben wird als die anderen. Jetzt ist er zweiundachtzig und flitzt mit seinem E-Scooter durch die Gegend, während ich inzwischen ganz andere Erfahrungen mit dem Tod hatte. Außerdem habe ich einiges an philosophischem Groundwork gemacht. Und auch wenn das keine Trockenübung für wirkliche Verlusterfahrung sein kann, so ist das Beschäftigen mit der Thematik doch auch befreiend und hat geholfen, meine Gefühle besser zu verorten. Denn man merkt erst, wenn man mit Verlust konfrontiert ist, wie verdrängt der persönliche Bezug dazu ist. Ich meine: Berichte über das Sterben bekommen wir ständig in welcher Form auch immer in unseren Alltag hineingespült. Und es macht uns vielleicht auch für den Moment betroffen, doch bildet es alleine noch nicht die Brücke zu unserer persönlichen Erfahrung. Schlussendlich geht es ja um Vergänglichkeit: von Beziehungen, von Dingen, von Menschen, von der Welt, von uns selbst.

A well-worked book

Dabei fällt mir immer wieder das Buch Über die Vergänglichkeit von Ina Schmidt ein, das vor zwei Jahren ein großer Denkanstoß war. Denn es hält vor Augen, wie alle Konnotationen mit der Vergänglichkeit (und dem ultimativen Ende: Dem Tod) in unserer westlichen Kultur negativ besetzt sind. Klar, sind Verlusterfahrungen (oft) schmerzhaft. Doch ist unsere Trauerkultur darauf aufgebaut, dass wir schon unser ganzes Leben lernen, das Vergehen von Dingen als einen negativen Prozess zu interpretieren. Und wenn die erste Reaktion nach einem Beziehungsende immer ist: "Oh, wie traurig", bleibt für die betroffene Person kein Zwischenraum für ein: Vielleicht war es ja besser so. Gerade bei Verlust ist die Projektion von Außen stark und dem "festhalten" und "weiterkämpfen" wird zu viel Raum gegeben. Dadurch verlernen wir das Loslassen und wir vergessen: Ein schöner Moment kann nur so schön sein, weil er auch wieder vergehen wird. Nachdem ich im Jänner zwei wirklich schöne Bücher zum Thema gelesen habe, empfehle ich an dieser Stelle mal den Roman Was fehlt dir von Sigrid Nunez und den Kurzgeschichtenband Alice von Judith Hermann.

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10 Dinge, die ihr schon immer von einem Klimaaktivisten wissen wolltet

Investigativer Journalismus geht auch in Wohnzimmeratmosphäre. Deshalb habe ich für die letzte Episode #Zwischenräume meinen guten lieben tollen Freund Bernhard Schaller eingeladen, der nach einem 180° Karrierewechsel, seit ziemlich genau einem Jahr für die letzte Generation arbeitet. Er war zufälligerweise auch schonmal bei unserem skug-Talk dabei, hat aber off-record nach unserer Aufnahme etwas gesagt, wie "Podcasten macht richtig Spaß, ohne den ganzen offiziellen Stellungnahmen." Also be ready für ein ganz persönliches Q&A mit einem Menschen, der zurzeit wirklich für das lebt, was er macht. Und falls der Klimarat weiterhin ignoriert wird, schreibt Bernhard Werbetexte für Prepperartikel. Oder so. Aber bis dahin sollte sich jede:r ranhalten, denn: Man muss sich nicht unbedingt auf die Straße picken, um etwas für die Zukunft unseres Planeten zu machen.

Bernhard Schaller (Ein <3 für meine Picsart-Fähigkeiten)

6 Filme, die man in diesem Jahr schon gesehen haben könnte (und immer noch sehen kann)

Jänner ist Filmzeit in Österreich, und auch die nächsten Monate reißt der Trend nicht ab, denn die Kinoreleases helfen bekanntlich durch den Winter-Blues. Deswegen hier ein paar Releases, die der nötige Proviant sind, bis der Frühling hinter den Februartagen hervor blinzelt:

Persona Non Grata (Regie: Antonin Svoboda)
Die österreichische Skiwelt hat ein strukturelles Problem: Die seit 2017 auch hierzulande die Kultur- und Sportbranche aufrüttelnde #MeToo-Debatte zeigt, dass die Schwierigkeit, Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe in genannten Branchen zu ahnden, oft darin besteht, dass Strukturen ihre Täter schützen. Ob es dabei darum geht, das eigene Image zu wahren oder reinen Opportunismus zwecks der Karriere zu betreiben, ist egal – die Struktur bleibt bestehen. (Meine ganze Review dazu ist im ray erschienen, und hier nachzulesen)

The Holdovers (Regie: Alexander Payne)
1970: Ein sehr ungleiches Paar, an Barton Boys, bleibt zu Weihnachten im gleichnamigen Internat stecken und muss gezwungenermaßen die Weihnachtsfeiertage miteinander verbringen. Die Coming-of-Age Komödie ist nicht nur toll besetzt, sondern folgt auch anti-stereotypen männlichen Erzählsträngen der beiden Protagonisten, was ihn – berechtigterweise – sehr authentisch und berührend macht.

Poor Things (Regie: Yorgos Lanthimos)
Dazu braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen, als: Schaut ihn euch an, wenn ihr den Hypetrain bisher verpasst habt – er ist es tatsächlich wert, bestiegen zu werden. Emma Stone als die moderne Version einer Art Frankensteinschen Monsters ist großartig. Da stört es nicht mal, dass der Film fast zweieinhalb Stunden dauert. Und man weiß danach: One Pasteis de Nata is never enough!

Der Junge und der Reiher (Regie: Hayao Miyazaki)
Ein gewisser Überhang an Millennials war zu bemerken, als wir uns ins komplett ausverkaufte Burgkino quetschten. Aber das ist nicht verwunderlich, denn wer von uns ist nicht mit Spirited Away oder Princess Mononoke aufgewachsen? Ein bisschen Referenz ist fast von allen Studio-Ghibli Filmen in Der Junge und der Reiher vorhanden und die Fans sind sich einig: Es ist nicht der neue Liebling, aber dennoch top-notch.

Stillstand (Regie: Nikolaus Geyrhalter)
Es ist Februar 2024 und man fragt sich überrascht: Dass ein Virus die gesamte Welt zum Erliegen gebracht hat, ist schon vier Jahre her? Bei allem Daily-Business und der turbulenten Weltlage lässt sich schnell vergessen, dass seit 2020 schon eine Weile vergangen ist. Umso besser, dass durch Nikolaus Geyrhalters neuen Dokumentarfilm Stillstand diese Realität wieder ein bisschen näher gerückt wird. Oder ist das überhaupt gut? (Meine ganze Review dazu ist im ray erschienen und very soon dort nachzulesen)

Rule 34 (Regie: Júlia Murat)
Irgendwas zwischen BDSM, OnlyFans und Jusstudium. Obwohl Rule 34 an manchen Stellen ein bisschen zu wenig kink-informed erscheint, ist der Plot ziemlich spicy: Eine angehende Pflichtverteidigerin, die sich ihr Studium mit sowas wie OnlyFans verdient und über sideways auf BDSM stößt, wird in einen inneren Zwiespalt gebracht, nachdem ihr neues Interesse sich mit ihrer Arbeit als Juristin immer schwieriger vereinen lässt.

Rückblickender Ausblick

Auch wenn ungesehen, steht u.A. noch The Giacomettis (Regie: Susanna Fanzun) auf meiner Bucketlist, eine Dokumentation rund um den Künstler Alberto Giacometti und seine Familie. Umso mehr als der Soundtrack dazu von Hania Rani geschrieben ist, deren Album On Giacometti mich genau ein Jahr zurücknostalgiert – mehr Dazwischen als Klavierinstrumentals in Schweizer Tälern gibt's eigentlich kaum. Glücklicherweise war sie auch kürzlich bei Tiny Desk. Apropos Klavier: eine der punkigsten Geschichtenerzählerinnen, ist 2024 auch wieder am releasen: Amanda Palmer hat ihre Covid-bedingte Neuseeland-Zeit jetzt auch auf Record. Außerdem hat Mine (jaja, die, die mal in der Elbphilharmonie HipHop gemacht hat) finally ein neues Album released (eins der besten Konzerte 2022!), also hört rein:

Ein letzter rückblickender Ausblick: Ich war ja die letzte Woche in der ewigen Stadt, um meine Nichte zu besuchen. Nachdem sie sechzehnjährig inzwischen mehr über die 90er weiß als ich, haben wir uns durch alle möglichen Filme der Zeit gezappt. Deswegen, an alle die diesen Magnum Opus noch nicht kennen: Human Traffic (Regie: John Simm). Und nein, es geht nicht um Menschenhandel, sondern um Ecstasy und ja ... 90er halt.

Anyways: Thanks for being here – see you next time! :)

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