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August 28, 2026

Die Last der KI-Riesen [Undisruptable Technology - Ausgabe #315]

#315, 28. August 2026

Guten Morgen,

meine privaten Rechner laufen alle auf Linux, früher war ich Windows-Nutzer und Apple? Hab ich links liegen gelassen. War mir immer zu sehr “waallet garden”. Aber jetzt? Schau ich mir Produktseiten an und rechne hin und her. Die Verlockung, sich einen Mac mini hinzustellen, um darauf eines der inzwischen wirklich leistungsfähigen Open-Source/Weight-Modelle laufen zu lassen, ist echt hoch. Mein kleiner KI-Agent, der letzte Woche den Newsletter hier übernommen hat, ist so gebaut, dass er auch komplexe Aufgaben wie “hier ist ein Link zu einem Video, mach mal eine Transkription” oder “schau jeden Tag, wie gerade die Apple-Gebraucht-Preise sind und führe eine Tabelle” erledigen kann, aber ohne dafür eines der hochgezüchteten Frontier-Modelle zu brauchen. Wenn das 24/7 laufen könnte, ohne dass jedes Token auf der Kreditkarten-Rechnung zu Buche schlägt, das hätte schon was. Aber eigentlich ist Investition in eigene Hardware statt Cloud echt ziemlich 2000er, oder? Ich glaube, ich werde noch ein bisschen hin und her rechnen.

Was aber so gar nicht 2000er war, war ein Erlebnis mit der modernen Dienstleistungsbranche diese Woche. Mein Auto hatte nämlich einen Platten. In der Tiefgarage. Klar, kann man sich vom ADAC irgendwie raushelfen lassen und zur Werkstatt schleppen, ist aber nicht ganz einfach und erfordert parallele Terminabstimmung mit der Werkstatt. Oder… man bucht einen mobilen Reifenservice. Das ging in meinem Fall komplett per WhatsApp von der Website aus. Freitagabends schon Antwort, trotz Betriebsurlaub bis Montag. Angebote für andere Reifen als dem Standard gar kein Problem, lesen und in Ruhe entscheiden. Dann auch noch kurzfristiger Termin und püntklich da. Ab dem Moment endet dann allerdings der digitale Prozess - die Reifen haben die beiden Monteure ganz analog abmontiert und ersetzt. Und die Bezahlung war leider auch nicht digital möglich. Aber sonst kann ich nur sagen, es gibt wirklich nahezu perfekte, digital unterstützte Prozesse. In Deutschland, in Berlin. Und wer selbst mal vor dem Probelm steht: Reifenretter kann ich empfehlen (und, nein, ich bekomme nichts für diese Empfehlung und bin auch nicht verwandt oder verschwägert).

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

1. KI-Agenten lieferten nicht: Wie Metas radikaler Personalumbau implodierte:
Verdrängt KI menschliche Arbeit? Vielleicht, aber vielleicht auch nicht so schnell wie gedacht. Bei „Project OT" sollten bei Meta Teams um bis zu 60 Prozent schrumpfen und KI-Agenten die Lücken füllen. Am Ende rebellierten die Mitarbeiter und vor allem die Produktivgewinne blieben aus. Zuckerberg stoppte die nächte Entlassungswelle.

2. AI is hitting entry-level jobs hardest, Stanford study finds:
Während Meta mit Agenten-Experimenten scheitert, wird die Arbeitswelt anderswo schon von KI transformiert, sagt zumindest eine aktuelle Studie aus Stanford. In stark KI-exponierten Branchen arbeiten 19 Prozent weniger 22–25-Jährige als in wenig betroffenen Bereichen (noch vor einem Jahr: 13 Prozent). In automatisierbaren Einstiegsrollen sogar 11 Prozent, während hochqualifizierte Jobs um 10 Prozent wachsen.

3. If this is true, the hyperscalers are toast:
KI-Modelle werden immer besser und brauchen immer mehr Rechenpower. Stimmt das aber wirklich? Einer Studie zufolge ziehen lokale Small Language Models in 98 Prozent der Chat-Fälle und 62 Prozent der Reasoning-Fälle mit den Cloud-Riesen gleich (passt zu meiner eingangs geäußerten Überlegung, ob sich nicht so ein Mac mini zu Hause lohnen würde…). Und das bei 50 bis 85 Prozent niedrigeren Kosten. Wenn es ein Trend wird, nicht immer das allerbeste KI-Modell einzusetzen, sondern das am besten geeignete, dann könnten einige Milliarden-Dollar-Datenzentren womöglich eine, ähem, nun ja, größere Überinvestition werden.

4. I accidentally logged hundreds of thousands of phone calls to military bases:
Jemand kauft eine abgelaufene DNS-Domain und übernimmt damit einen sehr speziellen Teil der Telefon-Infrastruktur für Saint Helena, Diego Garcia und Ascension Island – und bekommt nebenbei mit, wer auf dem US-Militärstützpunkt anruft. Ich mag ja solche Geschichten, weil sie zeigen, was findige Menschen so anstellen können - und an wie vielen Stellen IT-Sicherheit mitgedacht werden muss.

5. Japan tried to build an operating system for the entire world, then the US government intervened:
Ich beschäftige mich ja schon länger mit Computern, aber ich muss gestehen: Tron hatte ich bisher nur als Film abgespeichert. Dabei war TRON 1984 ein völlig neues und ziemlich modernes Computerbetriebssystem. Aus Japan. Wer weiß, vielleicht würden wir alle gleich ein Update auf TRON 16 bekommen oder, wenn nicht… 1989 deklarierte der US-Handelsbericht es als Handelsbarriere, und heute läuft nur noch der eingebettete Abkömmling ITRON. Aber das ganz schön weit verbreitet.

6. 'Digging the grave of my profession': the Hollywood creatives training AI to do their jobs:
Drehbuchautoren und Regisseure jobben als Gig-Worker, um KI-Modelle beim Schreiben von Skripten zu trainieren – und bezeichnen das selbst als „ihr eigenes Berufsgrab Schaufeln". In der Zwischenzeit sind bei Netflix 300 von 1000 Titeln bereits KI-unterstützt.

7. If you're not using AI to attack your own systems, your adversaries will:
Agentic Red Teaming: KI-Agenten hacken Unternehmen komplett autonom. Im Einsatz zeigte das Tool den „größten Live-KI-Angriff" mit 17 Mio. Aktionen, 38 Pfaden und 238 Findings in drei Tagen. Die Idee ist einfach: Wer das nicht selbst macht, dessen Gegner macht es.

8. Amazon kept shutting down my tablet, so I spent $266 on four AI models to own it:
Der Autor wehrte sich gegen Amazons Abschaltung seines Fire HD10 und nutzte vier KI-Modelle, um das Gerät zu rooten. Detail am Rande: US-Modelle (Claude/OpenAI) verweigerten wegen Safeguards den Exploit – die chinesischen Modelle machten es einfach. Alles das, was er da gemacht hat, kann man natürlich auch nutzen, um Cybersicherheit auszuhebeln. Wie immer ist das Ganze ein zweischneidiges Schwert, aber KI kann auch Empowerment sein.

9. Robotaxis are real now — so is the pushback:
Diese Woche hat Waymo angekündigt, 2027 Robotaxis in München fahren zu lassen. Schon heute bietet das Unternehmen dem Artikel zufolge über 3500 Fahrzeuge in 11 Städten an, wöchentlich 500.000 bezahlte Fahrten – und trotzdem ziehen NY, DC, SF und die NHTSA die Zügel an. Gewerkschaften nennen die Taxis eine „existenzielle Bedrohung".

10. AliExpress trackt Nutzer via unhörbarem Audio-Fingerprinting:
Die Web Audio API erzeugt geräteabhängige, für Menschen unhörbare Signale – und AliExpress nutzt sie (ohne Cookies!) zum Fingerprinting. Ein Entwickler fand es über störende Bluetooth-Kopfhörer heraus.

Undisruptable Technology im Bild

Am Mittwoch hat Bitkom zusammen mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz den “Wirtschaftsschutzbericht 2026” vorgestellt, den ich inhaltlich und kommunikativ mit begleiten durfte. Kernaussage: Die deutsche Wirtschaft wird verstärkt Ziel ausländischer Geheimdienste - und KI wird zu einer echten Bedrohung. Mit einem Klick auf die Grafik geht es zur Studie.

Und zuletzt...

Der humanoide Roboter „Lightning" von Honor sprintet 9,32 s über die 100 Meter und sticht damit Usain Bolts 9,58-s-Weltrekord aus. So geschehen bei den World Humanoid Robot Games in Peking, wo über 2000 Roboter antraten, berichtet “The Guardian”: “Experts say humanoid robots are still mostly used for demonstrations, performances and research – at least for now – and it will take time to achieve mass real-world deployment. Some spectators at the robot games said they were excited about the humanoid robots’ quickly improving abilities.” Mal ehrlich, wenn die Dinger richtig gut im Fußball werden (sollten), dann könnte Infantine eine 365/24/7 WM veranstalten - und statt Trinkpause gibt es halt Ladepausen.

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