August-Ausgabe 2026
Herzlich willkommen zur August-Ausgabe des Vreundschaftsbriefs!
Wie euch vielleicht aufgefallen ist, gab es keine Juli-Ausgabe, da haben wir eine Sommerpause eingelegt.
CRUNCH
Wir haben daher gleich zwei Genderswapped-Podcast-Folgen zu erwähnen:
Die Juni-Live-Folge mit Lesungen aus und Gesprächen rund um Queer*Welten 16 und die Juli-Folge zum Thema Re-Reads und Re-Watches. Die Live-Folge gibts auch mit Bild auf YouTube!
Das Audio-Extra für Juli ist im vergangenen Monat nicht fertig geworden, Juli war einfach too much. Aber dafür findet ihr es ab heute auf Patreon: Darin fragen wir einander, wie wir uns fühlen, wenn wir unsere eigenen Texte noch einmal re-readen.
Im August hingegen pausiert der Podcast, da wir uns mit dem unschönen Thema Hosting-Umzug befassen müssen und daher keine Folge aufnehmen konnten. Hierzu eine kleine Erläuterung:
Bisher hatten wir einen relativ günstigen Tarif beim Anbieter Podigee, der allerdings schon länger für Neukund*innen nicht mehr angeboten wird und uns als Legacy-Modell noch zur Verfügung stand. Damit ist jetzt leider Schluss, und der nächstgünstigere Tarif hätte unsere Podcast-Produktionskosten jährlich von 66 € auf 210 € nach oben katapultiert. (Für lauter Extras, die wir nicht brauchen oder wollen, wie Video-Folgen und natürlich allerlei KI-Schmonz.)
Deshalb sind wir jetzt zu Podcaster gewechselt, wo uns der Podcast in der Produktion nun jährlich auch mehr kostet, aber weniger als bei Podigee - nämlich € 120,00 im Jahr. Wir haben also jetzt € 54,00 Mehrkosten pro Jahr, um den Podcast zu produzieren.
Falls ihr uns helfen wollt, diese Mehrkosten abzufangen, dann würden wir uns sehr freuen - ihr könnt einmalig etwas über KoFi spenden oder bei Patreon ein Abo abschließen (dafür gibt es dann auch, je nach Level, verschiedene Goodies.)
Ebenfalls betroffen ist der Podcast Nerd ist ihr Hobby, die auch gerade auf Unterstützung angewiesen sind.
Ansonsten haben wir den Podcast jetzt schon zu Podcaster umgezogen und werden auch eine Weiterleitung des bisherigen Feeds einstellen, sodass ihr hoffentlich ganz automatisch in euren Podcast-Apps die neuen Folgen reinkommen. Falls nicht: Hier ist die neue Website, und der Feed, den ihr ggfs. auch manuell abonnieren könnt, lautet: https://genderswapped.podcaster.de/genderswapped-podcast.rss
Auf Patreon gab es im Juli als exklusiven Inhalt das Toxic-Masculinity-Märchen “Yunis der Speer”, eine Kurzgeschichte in der Welt von “Ruinen von Arvor”.
Außerdem gibt es drei neue Beiträge, die kostenfrei für alle verfügbar sind:
Ein Interview mit Oliver Plaschka zu seinem neuen Roman “Die Geister von La Spezia”, das Aquarell von Mari zu “Ruinen von Arvor” und einen kleinen Foto-Post zur Sommerpause mit Eindrücken aus dem vögtschen Bretagne-Urlaub.
Termine:
13.-16. August: Das neue Festival Love and Literature findet in Hamburg statt! Tickets gibt es aktuell im Crowdfunding (oder an der Abendkasse, aber es ist nicht sicher, dass es bei allen Veranstaltungen noch Karten gibt, also besser vorher reservieren!)
Freitag, 14. August, 21.30 Uhr: Lena ist dabei zum Thema “Poetry, Queer Drabbles & parallelgesellschaft – über Fell, kurze Formen & kollektive Literatur-Praxis” im Büchercafé Kapitel Drei.
Sonntag, 16. August, 14 Uhr: Die Vögte sind dabei zum Thema “Utopien in dystopischen Zeiten” in der Schanzenbuchhandlung.
Donnerstag, 10. September, 19 Uhr: Judith moderiert den feministischen Lesekreis der Grünen im Grünen Zentrum in Aachen - wir lesen bis zum 10.09. den Roman “Ich, die ich Männer nicht kannte” und diskutieren an diesem Abend darüber. Externe sind willkommen!
FLUFF
Der Fluff fällt aus, weil der Podcast-Umzug - siehe oben - so fummelig war, dass wir keinen Nerv mehr dafür hatten - dafür haben wir etwas mehr INITIATIVE BITTE für euch.
Vavoriten
Lena empfiehlt:
Ich habe The Spear Cuts Through Water von Simon Jimenez gelesen, einen schon 2022 erschienenen, preisgekrönten und, leider wenig überraschend, bisher nicht ins Deutsche übersetzten Fantasy-Roman. Das Buch ist lang, die Geschichte über zwei junge Männer, Jun und Keema, die mit einer sterbenden Göttin durch ein Königreich in Aufruhr reisen, hat epische Ausmaße und ist toll konstruiert - aber das eigentliche Faszinierende am Roman ist die Art, wie er erzählt ist. Denn die Geschichte von Jun und Keema bildet den Kern einer verschachtelten Erzählweise, wird selbst einer namenlos bleibenden Figur erzählt, die in einer moderneren Welt lebt und die Geschichte in verschiedenen Formen kennt: Als Erzählung der eigenen Großmutter, als andere Versionen durch Vater und Onkel, und als Aufführung in einem übernatürlichen Theater. Im Gegensatz zu vielen anderen Fantasy-Geschichten bleiben auch die einfachen Leute, die den Held*innen zufällig begegnen, nicht ungehört, denn ihre Stimmen ergänzen die Erzählung immer wieder in kurzen Einschüben. Allen, die sich für Erzählperspektiven und Strukturen von Geschichten interessieren, sei der Roman daher besonders ans Herz gelegt, aber man kann ihn natürlich auch einfach lesen, weil er eine epische, messy, blutige, queere und ungewöhnliche Fantasy-Story ist.
Christian empfiehlt:
“For All Mankind”, eine SF-Serie auf AppleTV über ein alternative-historisches Space Race, hat mit Star City eine Ablegerserie bekommen. Aber kann sie mit dem großartigen Original mithalten? Sie erzählt das Rennen zum Mond und die Jahre danach aus der Sicht der Sowjetunion. Ein Perspektivwechseln ist ja nicht immer eine gute Idee, wie im Fall einiger überschätzter, toxischer Liebesgeschichten, in denen derselbe Plot einfach nochmal aus Sicht von Mr. Longdong erzählt wird. “Star City” ist nicht diese Art von Perspektivwechsel. Im Gegenteil, die Serie schafft es wie ihre Vorlage, gut geschriebenen Charaktere und emotionale Tiefe mit nervenzerreißender Spannung zu kombinieren, die die Exkursionen von Menschen ins lebensfeindliche Nichts in besseren Nussschalen mit sich bringen. (Wie sind wir als Spezies überhaupt auf so eine besch… Idee gekommen?) Es kombiniert diese Elemente mit der Paranoia eines Überwachungsstaates, dem Widerstand dagegen sowie Spionage im Stil von “The Americans”.
Gespielt habe ich außerdem Hades II (ohne je Hades I gespielt zu haben, das war zum Glück kein Hindernis). Der Artstyle ist großartig, das Gameplay fordernd, aber spaßig und gut zum Dampf-Ablassen, außerdem ist es griechische Mythologie zum Anfassen. Was mich normalerweise schreckt, ist die Aussicht, in Roguelikes wie diesem immer und immer wieder dasselbe tun zu müssen. Ich bin jetzt immer noch kein Fan davon, aber Hades schafft es dennoch, fast jedem Run durch neue Begegnungen und Offenbarungen eine neue Wendung zu geben und das Interesse zu halten.
Judith empfiehlt:
Mein Lesen steckt im Moment ein bisschen in einer Buchmarkt-Verbitterungs-Krise, weshalb ich in einer großen Buchhandlung herumirrte und nach einem Buch für den Urlaub suchte, das a) keine Fantasy ist, b) mich trotzdem interessiert und c) entweder deutschsprachig oder aus einer anderen Sprache als Englisch übersetzt wurde. Meine Wahl fiel auf Das Wesen des Lebens von Iida Turpeinen (übersetzt aus dem Finnischen). Anhand mehrerer realer (menschlicher) Biografien erzählt Turpeinen das Aussterben der Steller-Seekuh in der Beringsee, bei der von ihrer Entdeckung bis zu ihrer Ausrottung keine Generation mehr erwachsen wurde. Das ist natürlich irgendwie harter Tobak, aber es war genau das richtige Buch für mich. Die verschiedenen, in Details fiktionalisieren Biografien von Forscher*innen vermitteln sehr eindrücklich, wie den überwiegend bibelgläubigen Europäer*innen überhaupt erst klar wurde, dass Arten aussterben können und Menschen sie ausrotten können. Es ist dadurch keine vollkommen trostlose Geschichte, denn sie mündet in dieses Begreifen und die allerersten Naturschutzprojekte. Das Buch ist damit nicht direkt ein Mutmacher, aber es gibt die Hoffnung nicht auf.(Stellenweise gibt es sehr nüchtern reproduzierten Rassismus und Ableismus, davor sei an dieser Stelle gewarnt.)
Dieser Drang nach Härte von Eva von Redecker ist ein sehr, sehr gutes Sachbuch über modernen Faschismus. Antifaschist*innen stecken ja durchaus mal in Definitionskrisen, was den modernen Faschismus angeht (siehe auch unser Text auf TOR Online), und die Philosophin von Redecker definiert ihn ziemlich gut: Faschismus ist liquidierende Phantombesitzverteidigung. Das klingt jetzt irgendwie unzugänglich, deshalb enthält das Buch ja auch deutlich mehr Text als diesen Satz, aber es ist ein total sinnvoller Schlüssel, um alles von der AfD bis zu TechBro-Faschismus zu dechiffrieren. Ich fand es eine unerwartet packende und aufschlussreiche Lektüre.
INITIATIVE BITTE
Sehr kurz nach den performativen (um nicht zu sagen: heuchlerischen) Trauerbekundungen zum Anschlag auf den CSD durch Unions-Abgeordnete hat Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem queeren Selbsthilfeverband Lambda e.V. sämtliche Fördergelder gestrichen. Es gibt deswegen jetzt auf deren Website eine Unterseite dazu, wie ihr helfen könnt - offene Briefe, Pressemitteilungen und Spendemöglichkeiten. Ihr könnt euch beteiligen, um Druck auf die Politik gegen diese Entscheidung zu machen, ihr könnt einmalig etwas spenden, oder ihr werdet Lambda-Pat*innen und unterstützt das Projekt mit € 5,00 im Monat.
Ebenfalls unter Beschuss steht das Informationsfreiheitsgesetz. Darüber können z. B. Journalist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen Auskünfte von staatlichen Stellen erlangen, was zur Aufdeckung von u. a. der “Masken-Affäre” von Jens Spahn, der bismarcksche Steueroase im Sachsenwald und vielen weiteren Dingen führte, die sonst vielleicht niemals an die Öffentlichkeit gelangt wären. Nun soll das IFG so “reformiert” werden, dass de facto ein absoluter Großteil der Anfragen nicht mehr möglich wäre. In internen Papieren ist laut Frag den Staat vor allem diese Plattform eine, die in Zukunft nicht mehr existieren soll. Dagegen gibt es jetzt eine Petition und den Aufruf, vor allem die Abgeordneten der SPD zu schreiben, die die Abschaffung mittragen sollen. Außerdem kann man auch hier spenden, um Frag den Staat die nötigen Mittel zu geben, weiter Öffentlichkeitsarbeit gegen das Gesetzesvorhaben zu machen.
Und eine weitere Petition: In dieser geht es darum, die sexuelle Identität als weiteren Punkt im Artikel 3 des Grundgesetzes zu verankern, also die Diskriminierung von Menschen auch aufgrund ihrer sexuellen Identiät als verfassungswidrig zu erklären.
Danke fürs Abonnieren und Lesen!
Lena, Christian und Judith