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March 27, 2026

đŸ”„ Burn, token, burn đŸ”„ [Undisruptable Technology - Ausgabe #303]

#303, 27. MĂ€rz 2026

Guten Morgen,

ich bin ja nicht so der Podcast-Typ, aber wenn ich dann doch mal reinhöre, dann bin ich doch irgendwie leicht zu begeistern. Zum Beispiel in dieser Ausgabe von “Hard Fork”, die mich bei der Vorbereitung auf den Halbmarathon an diesem Sonntag begleitet hat. Gleich zwei Themen fand ich super interessant, aber man kann das ja hier so schlecht verlinken, das Reden im Podcast. Zum einen ging es um eine Frage, die mich als Menschen, der schon immer viel geschrieben hat und auch beruflich viel schreibt, natĂŒrlich umtreibt: Warum können LLMs eigentlich nur so schlechte Texte produzieren? Coden, mega (ich habe diese Woche wieder zusammen mit meinem KI-Kollegen tolle kleine Projekte umgesetzt). Aber Text? Puh. Die GesprĂ€chspartnerin meint, seit GPT2 sei es nur bergab gegangen. Weil: die Mehrheit will das mediocre Zeug halt und die Guardrails rund um die KI zwingen sie in dieses Korsett. Hörenswert.

Aber auch ein anderer Beitrag: ĂŒber Token-Leaderborards. Also einen neuen(?) Trend, bei dem gerankt wird, wer die meisten Token fĂŒr KI verbrennt, Ă€h, verbraucht. Und die Person ist nicht der, der die meisten Kosten verursacht, sondern der KI-Held. Okay, wenn ich mir das zu Herzen nehme, dann war das ja bei mir (siehe oben) eine erfolgreiche Woche. Aber andersrum: Was fĂŒr eine blödsinnige Maßeinheit. Wie eben Programmiererinnnen und Programmierer danach zu beurteilen, wie viele Zeilen Code sie in Zeitraum X erstellen. Ja, was soll denn dabei rauskommen? Es wĂ€re so, wie wenn man Flugzeugingenieure dann als besser gelten wĂŒrden, wenn die Flugzeuge schwerer werden. Oder einen Newsletter-Autor danach, ob er nicht 20, 30 oder 40 spannende Links reinpackt statt nur 10+. Nee, nee, das kann es ja nicht sein.

Die Podcast-Episode war deutlich besser als meine schwĂ€chliche Zusammenfassung hier, eventuell könnte das ja eine KI wieder ganz gut? Aber es gilt weiterhin: ich nutze viel KI, ich nutze gerne KI, aber dieser kleine Newsletter rund um digitale Disruptionen und analoge Absonderlichkeiten ist komplett handgeschrieben. Von mir. Und damit wĂŒnsche ich eine schönes Wochenede und

bis nÀchste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Stop Calling It Disinformation: Der Artikel plĂ€diert fĂŒr einen Abschied vom Begriff “Desinformation”. Stattdessen geht es um “Postdigital Propaganda”. Was heißt das? “The shift looks something like this: from message to environment, from actor to infrastructure and from persuasion to alignment. Alignment is when the environment itself starts to lean — as platforms consistently surface, reward, and circulate content pointing in the same direction, regardless of who produced it or why. It’s called postdigital because we are no longer “online.” The Internet, Google, platforms. They are just there. Ambient. Like air. You only notice them, when they are gone. When platforms become the environment, propaganda doesn’t just move through them—it emerges from how they work. So instead of digital propaganda = actors using tools. We get postdigital propaganda = alignment produced inside the system itself. Propaganda becomes a condition, not a campaign.” Und warum ist der neue Begriff notwendig? “Disinformation assumes a problem of content. We’re dealing with a problem of condition.”

  2. Lost in translation: How Russia’s new elite hit squad was compromised by an idiotic lapse in tradecraft: Das ist einfach eine extrem spannende Geschichte, wie der Plot einer Netflix-Serie. Und ein guter Reminder in der digitalen Welt, dass die besten verschlĂŒsselten Chats nix nĂŒtzen, wenn man
 tja, sagen wir mal, unaufmerksam ist. “Alimov spoke Russian. Durovic spoke Serbian. Neither commanded the other's native tongue at the level sufficient for operational communication. Their solution was straightforward and, as it turned out, catastrophic: they used Google Translate, converting Durovic's Serbian field reports into Russian for his handler, and Alimov's Russian instructions back into Serbian for his agent. The messages themselves were transmitted through encrypted applications that the men believed to be secure. But Google operates through servers in the United States, which fall squarely within the reach of an FBI surveillance warrant. Armed with a court order, investigators were able to access the logs of these translations directly from the service provider, reading the clear-text content of the entire operational communications thread in real time, even as Alimov and Durovic believed themselves protected by end-to-end encryption.”

  3. Hunter Alpha Unmasked: Xiaomi's Stealth Trillion-Parameter AI Stuns the Industry: Spannende Geschichte. Bei OpenRouter, einer (oder: der) Plattform, die Zugang zu KI-Modellen bietet, taucht ein neues Modell auf. Hunter Alpha. Groß, gut und kostenlos. Keiner weiß, von wem es kommt. Viele vermuten, es ist ein neues Deepseek-Modell im Test. Dann kommt raus, es ist von Xiaomi. Und hier die These: “The era of casually accessible god-tier models has already begun. Whether the next blockbuster comes from DeepSeek in April, from Xiaomi’s full MiMo-V2-Pro rollout, or from someone else entirely, one thing is clear: 2026 is shaping up to be the year the AI capability ladder gets another massive extension — and this time, millions of developers get to climb it for free, at least for a moment.” Ich persönlich glaube ja, dass das böse Erwachen bei Kosten von AI noch kommt.

  4. Warum ChatGPT bald deutlich teurer werden dĂŒrfte: Die BefĂŒrchtung, dass KI eher teurer als billiger wird, habe ich natĂŒrlich nicht alleine. Hier steht genau das. “Die Ära der scheinbar „gĂŒnstigen“ KI neigt sich ihrem Ende zu. Was wir aktuell als Flatrate, als „Unlimited“-Versprechen oder als beinahe kostenlose ProduktivitĂ€tstools erleben, ist kein stabiler Zustand, sondern eine Übergangsphase. Die Infrastrukturkosten explodieren, die Nutzung wĂ€chst exponentiell, und die Anbieter signalisieren bereits offen: Die Rechnung kommt.”

  5. TurboQuant: Redefining AI efficiency with extreme compression: Und auch bei Google gibt es was möglicherweise fundamental Neues aus der KI-Forschung: TurboQuant. (Was mich an meine Schul- und Studienzeit in Trier erinnert, wo Quant der Ausdruck fĂŒr was ziemlich Tolles und Cooles war
) Eine relativ komplexe Technologie, die hier mit viel Mathematik erklĂ€rt wird, die aber vor allem einfach deutlich weniger Speicherplatz fĂŒr KI-Aufgaben braucht: “Techniques like TurboQuant are critical for this mission. They allow for building and querying large vector indices with minimal memory, near-zero preprocessing time, and state-of-the-art accuracy. This makes semantic search at Google's scale faster and more efficient. As AI becomes more integrated into all products, from LLMs to semantic search, this work in fundamental vector quantization will be more critical than ever.” Schlechte Nachrichten fĂŒr Speicherchip-Hersteller?

  6. Amazon acquires ‘approachable’ humanoid maker Fauna Robotics: Roboter sind das nĂ€chste große Ding. Kann man sich heute irgendwie noch nicht vorstellen, wurde zu oft drĂŒber geschrieben. Aber wer hĂ€tte vor - Moment, kurz mal nachrechnen - vier Jahren gedacht, dass wir heute mit einem Computer wie mit einem Menschen sprechen oder uns eine KI den Code schreibt? “Amazon has acquired Fauna Robotics, a startup that builds “approachable” humanoid robots for consumers and businesses, the company confirmed Tuesday. Terms of the deal weren’t disclosed.” Letzte Woche hat Amazon mit Rivr einen Schweizer Hersteller von Robotern, die Treppen steigen können, eingekauft.

  7. A major hacking tool has leaked online, putting millions of iPhones at risk. Here’s what you need to know.: Apple-Nutzerinnen und -Nutzer fĂŒhlten sich ja bislang noch recht sicher, was Schadsoftware und Angriffe anging. Nun, vielleicht zu sicher. “Security researchers have uncovered a series of cyberattacks targeting Apple customers across the world. The tools used in these hacking campaigns have been dubbed Coruna and DarkSword, and they have been used by both government spies and cybercriminals to steal data from people’s iPhones and iPads. (
) Now, some of these powerful hacking tools have leaked online, potentially putting hundreds of millions of iPhones and iPads running out-of-date software at risk of data thefts.” Also dringend mal alle die Updates installieren.

  8. The Pancake Discussion: Wer das GefĂŒhl hat, all dieses Social Media fĂŒhlt sich seit den guten alten Tagen von Twitter lahm an, Diskussionen online bestehen doch ohnehin nur aus KI-generierten Texten etc. pp., die oder der findet hier a) Zustimmung und b) ein paar Ideen, was außer Resignieren möglich ist. “Recently, I’ve found myself clicking through Kagi’s Small Web interface. It’s effectively the same concept as Stumbleupon, except more focused on helping you find interesting voices and actual blogs. I was excited when I found it. They lead to the kinds of posts that social media would never let go viral on their own but are nonetheless super-interesting.”

  9. Talk to My Agent: Das ist eine wirklich spannende Frage: “In a world where AI can represent you, how will you be able to prove that you are really you?” Wenn der Student einen Chatbot die Fragen seiner Eltern zu seinem Leben im neuen Zuhause beantworten lassen kann oder der israelische MinisterprĂ€sident beweisen muss, dass er nicht tot ist, wie die vielen Deepfakes glauben machen wollen. “ Experts are now recommending that you and your family members have a code word that you can use to prove you’re who you say you are.”

  10. How to Keep ICE Agents Out of Your Phone at the Airport: Schon merkwĂŒrdige Zeiten, frĂŒher hat man solche Anleitungen eher fĂŒr Reisen in die Sowjetunion oder nach Nordkorea gelesen. Hier aber die Tipps wie man verhindert, dass die US-Behörden bei der Einreise Einblick in das eigene digitale Leben nehmen. “These extra steps are undoubtedly a bit of a pain, but any inconvenience would pale in comparison to the potential damage if sensitive information is disclosed during your time in the airport.”

Undisruptable Technology im Bild

Die wahrscheinlich spannendste Bitkom-Pressekonferenz (Disclaimer: mein Arbeitgeber) hat meine Kollegin Nina Paulsen diese Woche begleiten dĂŒrfen. Es geht um “Leben & Liebe in der digitalen Welt”. Was macht das mit uns, wenn wir dem KI-Chatbot intime Dinge anvertrauen, die wir keinem Menschen offenbaren wĂŒrden? Und können sich Leute vorstellen, eine menschliche Beziehung gegen eine mit einer KI einzutauschen? Wirklich spannende Zahlen beim Klick auf das Bild.

Und zuletzt...

Als ich in die Schule gegangen bin, in den 1980er Jahren, nahm bei meinen Eltern im großen BĂŒcherregal eine vielbĂ€ndiges Lexikon eine ganze Reihe ein. Und darunter stand noch ein Nachschlagewerk nur rund um die Tierwelt. Und, ja, ich habe darin Dinge nachgeschaut. Wo auch sonst? Aber ich erinnere mich auch noch gut an die “Microsoft Encarta”. Die grandiose Idee, das voluminöse und auch teure Nachschlagewerk zu digitalisieren, auf CD-Roms zu bannen und einfacher und breiter verfĂŒgbar zu machen. Ich kann mich nicht mehr so ganz an die OberflĂ€che erinnern, aber ich weiß noch, dass mich das Handling nicht wirklich ĂŒberzeugt hat. Wie ich darauf komme? Hier wurde noch einmal die “Encarta”-Geschichte aufgeschrieben.

Es ist eine echte Transformationsstory, weil: Am Ende hat die Digitalisierung selbst “Encarta” den Gar ausgemacht. “Denn Encarta blieb trotz aller ModernitĂ€t ein kuratiertes, abgeschlossenes System. Es wurde von Redaktionen geplant, von Experten gepflegt, in Editionen veröffentlicht und in festen AbstĂ€nden aktualisiert. GegenĂŒber der klassischen PrintenzyklopĂ€die war das ein gewaltiger Fortschritt. Aus Sicht des Internets war es aber immer noch zu langsam, zu teuer und zu statisch.” Und ich finde, dieser Satz aus dem Artikel, den kann man auch heute gut gebrauchen, wenn man ĂŒber Digitalisierung spricht und er ist ein schöner Schlusssatz fĂŒr diese Newsletter-Ausgabe: “Encarta scheiterte nicht, weil es schlecht war. Es scheiterte, weil es zu gut in die vorherige Ära passte.”

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