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March 20, 2026

Neu: Jetzt mit Agentic AI* [Undisruptable Technology - Ausgabe #302]

#302, 20. März 2026

Guten Morgen,

regelmäßige Leserinnen und Leser dieses kleinen Newsletters wissen, dass ich meinen Job mag. Einmal im Jahr mag ich ihn noch ein bisschen mehr, denn dann ist die TRANSFORM in Berlin. Die von meinem Arbeitgeber Bitkom veranstaltete Tech-Show, eine Mischung aus Kongress, Expo und Workshops, finde ich einfach immer inspirierend (nein, ich muss das nicht schreiben, es stimmt nur, ehrlich), wobei ich zugegeben bei solchen Dingen leicht zu begeistern bin und auch Vorträgen über CRM- oder ERP-Systemen was abgewinnen kann. Aber dieses Jahr war ganz besonders gut. Ob Bayer-Chef Bill Anderson, der 16 mal umgezogen ist in seinem Berufsleben und die Anzahl der Manager im Konzern erstmal auf ein Drittel reduziert hat und die Arbeitskultur verämndert hat, oder das Startup, das CT-Technologie aus der Medizin nutzt, um männliche Küken vor einem grausamen Tod rettet (ok, indem sie nie geboren werden, aber immerhin).

Und ich habe gelernt, dass es bei humanoiden Robotern nicht um Hardware geht, die bekommt man recht billig in China, wenn man sie braucht, sondern um die Software und vor allem die Daten. Deshalb tanzen Roboter auch oder machen Ronaldo-Jubel, weil davon gibt es genug Bilder, um sie zu trainieren, aus Fabriken gibt es eher wenig Aufnahmen. Ach ja, und die Königsdisziplin der Roboterforschung ist das Wäsche-Zusammenlegen, wirklich.

Was auf jeden Fall auffällig war, dieses Jahr auf der TRANSFORM: KI muss. Überall. Und KI alleine ist auch schon fast wieder out, mindestens agentic sollte sie sein. Und, ja, ich finde das auch faszinierend, was inzwischen geht, beim Schreiben weniger als beim Coden. Aber: manche Erwartungen, die geschürt werden, da zucke ich dann doch zusammen. Wo heute Sales-Team, Product-Team und Engineer-Team Hand in Hand arbeiten wird es, so die Vision, schon ganz ganz bald (und eigentlich bereits gestern oder zumindest doch jetzt) nur noch die Sales-Leute geben, die ihren Markt kennen. Und die lassen das Produkt dann ohne jede Programmierkenntnisse von der KI bauen und die deployed das dann. Srsly? Jetz kann ich nicht in die Zukunft schauen, aber ich frage mich, ob es wirklich klug ist, die Messlatte so hoch zu hängen und so zu tun, als ob das heute problemlos geht. Und der Geschäftsführer fährt nach Hause und fragt seinen ITler wofür der jemanden einstellen will, weil: das macht jetzt doch die KI.

Vielleicht sollten wir uns doch ein Vorbild am Europapark nehmen. Denn der Freizeitpark hat festgestellt, dass er nicht der Held in der Heldengeschichte seiner Kundinnen und Kunden sein kann, weil die diese Rolle schon selbst einnehmen wollen. Und deshalb muss man etwas ganz anderes sein: der Sidekick. Aber halt ein verdammt guter. Mehr sein wollen wie Olaf, weniger wie Elsa. Vielleicht würde das der Tech-Branche manchmal auch gut tun.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim

*Und weil ich es gefragt wurde: Nein, dieser Newsletter wird nicht von KI geschrieben und auch nicht von KI zusammengestellt. Er enthält zwar viele Nachrichten über KI, aber den Rest mache ich selbst. Ich habe ausgerechnet, dass ich dank Null Umsatz und Null Gewinn eigentlich keine Vorteile vom KI-Einsatz habe, tut mir leid.


Ten news that fit to send

  1. The most brilliant move in corporate history?: Das ist mein Lieblingstext diese Woche. Denn er beschäftigt sich mit der Frage, ob Apple nicht einfach mal so komplett alles richtig macht - und seine Kohle im KI-Rausch zusammenhält. Während Firmen Milliarden um Milliarden verbrennen, um KI-Infrastruktur aufzubauen, und andere Firmen Milliarden um Milliarden in diese Firmen investieren, um irgendwie mit dabei zu sein, macht Apple: nix. Oder vielmehr: lizenziert für vergleichsweise wenig Geld die KI von anderen. In dem Text sind ein paar spannende Zahlen zum Cash Flow von Big Tech. Und eine interessante These: “Now here is where Apple’s bet becomes genius. AI models are commoditizing faster than anyone predicted. Software and hardware both have tendencies to commodify. Protections exist but they have to do with integration and distribution. DeepSeek built a model for $6 million that matches systems costing $100 million. Open source models now power 80% of startups seeking VC funding. The moat these companies are spending hundreds of billions to build is evaporating.”

  2. AI job predictions are just hunches dressed up like facts: Nicht nur KI war auf der TRANSFORM des Bitkom allgegenwärtig, auch: durch KI werden Jobs wegfallen. Ob das eine Bedrohung ist oder eine Chance, angesichts der demographischen Entwicklung, das ist dann wieder eine andere Frage. Nur: Stimmt das mit den Job-Prognosen eigentlich so? Der Text setzt sich kritisch mit der Prognosevielfalt auseinander: “Here's how most AI job exposure studies work: Analysts — often at consultancies, research firms or within AI companies themselves — take a job, break it into tasks and ask whether AI could do each of those tasks. It sounds systematic, but every step involves a judgement call, not measured data. There's no objective answer to questions like: What counts as a distinct task? or What does "AI can do this" mean? Each researcher has to make their own decision, and that's why you'll find predictions of future AI automation ranging from 5% to 47% of all jobs.”

  3. Travis Kalanick Debuts Plan for ‘Gainfully Employed Robots’: Aber wer noch ein paar Job-Prognosen braucht: Der Ex-Uber-Chef macht jetzt in Robotern. “Kalanick wrote on the Atoms website that the company will make “specialized robots with productive jobs that bring abundance to their owners and society at large.” That will include “infrastructure for better food,” he wrote, as well as “more productive mines to power Earth’s industries” in addition to “wheelbase for robots” in transportation.”

  4. Will AI Kill Spreadsheets?: Tabellenkalkulation ist ja irgendwie der Inbegriff von Computer, oder? aber wird KI jetzt vielleicht Excel & Co. den Garaus machen? Hier ist eine schöne Zusammenfassung der Dafürs und Dagegens zu dieser Frage. “The history of computing really is a story of interfaces evolving beyond what the previous generation thought was possible. Punchcards felt essential until they didn’t. Command lines felt essential until GUIs arrived.”

  5. Tech boss uses AI and ChatGPT to make his dog a cancer vaccine: So fängt die Story an: “Paul Conyngham is not a doctor. He has no background in biology or oncology. What he does have is 17 years of machine learning experience and a rescue dog named Rosie he was not willing to give up on.” Am Ende hat er zusammen mit der KI eine Behandlung für seinen Hund entwickelt (keine Heilung, aber eine Behanldung). Und es steht die Frage im Raum: ““It was like holy crap, it worked,” Smith said. “It raises the question, if we can do this for a dog, why aren’t we rolling this out to all humans with cancer?””

  6. Linux soll Ausweise prüfen: Wie die Community sich dagegen wehrt: Die Idee, das Betriebssystem eines Computers sollte das Alter des Nutzers prüfen und es dann im System speichern und abrufbar machen, kann nur jemand haben, dessen Vorstellung eines digitalen Endgeräts bei einem iPhone oder einem Android-System endet. Denn: Der Computer gehört halt der Nutzerin und dem Nutzer und die können da im Prinzip machen, was sie wollen. Weil zum Beispiel: Linux. “Die Linux-Welt stellt die Posse vor ein Dilemma. Microsoft, Apple und Google (für Android) lassen sich einigermaßen leicht zwingen, solche Abfragen in ihre Betriebssysteme einzubauen. In der Linux [1]-Welt sieht es anders aus: Wer ist ein „Operating System Provider“, wie es im kalifornischen Gesetz [2] heißt? Für Red Hat, Canonical und SUSE mag sich diese Frage noch beantworten lassen. Was aber ist mit reinen Community-Projekten wie Debian oder Linux Mint?”

  7. FBI is buying location data to track US citizens, director confirms: Was macht der Staat, wenn er weniger über seine Bürgerinnen und Bürger weiß als die Unternehmen? Nein, er führt keine neuen Gesetze ein oder beschlagnahmt die Infos. Er kauft sie einfach. “he FBI has resumed purchasing reams of Americans’ data and location histories to aid federal investigations, the agency’s director, Kash Patel, testified to lawmakers on Wednesday. This is the first time since 2023 that the FBI has confirmed it was buying access to people’s data collected from data brokers, who source much of their information — including location data — from ordinary consumer phone apps and games.”

  8. How to Not Get Hacked Through File Uploads: Das ist mal wieder einer der etwas nerdigeren Artikel in diesem kleinen Newsletter, aber es geht um die Frage: Wie können Hacker eigentlich Webseiten als Einfallstor nehmen? Und zwar nur an einem Beispiel: Fileupload. Die Beschreibungen sind teilweise ein bisschen technisch, aber echt lesenswert. Ich wusste nicht, dass es ein wirklich kleines ZIP-File gibt, das sich beim Entpacken auf 4,2 Petabyte aufbläht. Deshalb: “Securing file uploads requires attention to input validation, dependency management, and infrastructure cost control simultaneously, because a gap in any one of them is independently exploitable.”

  9. Snail Mail Sign-Ups: Das Internet ist voller KI. AI Slop, wie man sagt. Künstlich generierten Beiträgen, Bildern, Kommentaren und Fake-Accounts. Wie bekommt man das weg? Indem man den Registrierungsprozess weitgehend KI-sicher macht, so die These des Textes. Und wie könnte das gehen? ““Interested in signing up? Write down the email you wish to have associated with your account on a piece of paper and send that to us at the provided mailing address. Once we have received the letter, you will be sent a confirmation email, including temporary login details, to the address you provided in your letter. From there, you can login and configure your account as normal.”” Ich muss sagen, ich mag die Idee. Und stelle mir vor, wie dann Roboter die KI-geschriebenen Briefe wegbringen - und wie die KI-Revolution das Briefgeschäft der Deutschen Post rettet.

  10. Gamblers trying to win a bet on Polymarket are vowing to kill me if I don’t rewrite an Iran missile story: Es ist ja ein bisschen durch die Medien gegangen, dass man bei bestimmten Webangeboten, sogenannten Prognosemärkten, auf fast alle Ereignisse in der Zukunft wetten kann. Sozusagen statt “Bayern gewinnt 3:1 gegen Real Madrid” ein “im Mai wird eine Atombombe gezündet”. Online-Gambling at it’s best. Und so wie es im mehr oder weniger legalen Glücksspiel mal härter zugeht, so scheint auch beim digitalen Zukunftsvorhersagen auch Leute unglücklich zu sein, wenn ihre Vorhersagen kaputtgemacht werden, von der Realität. Und zum Beispiel jemand berichtet, dass eine iranische Rakete in Israel eingeschlagen hat. ““If you decide not to correct it, and leave the lie intact, you will discover enemies who will be willing to pay anything to make your life miserable — within the framework of the law.”” Lesenswerte Geschichte.

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Einfach eine großartige Idee: Youtube in einen linearen Fernsehsender zurückverwandeln. Happy zapping!

Und zuletzt...

Wir diskutieren ja gerade ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Oder Kinder. Also für unter 16-Jährige. Oder doch unter 14-Jährige. Aber vielleicht ist das nur die eine Seite der Medaille. Vielleicht müsste man über ein Internet-Verbot für Seniorinnen und Senioren sprechen? Denn hier wird ein Thema diskutiert, das offenbar im Mainstream noch nicht richtig angekommen ist: “Grandparents are glued to their phones, families are worried”. Da wird dann zum Beispiel vom Oma-und-Opa-Besuch berichtet, bei dem die ältere Generation nur am Bildschirm gehangen hat und mit den süßen Enkelkindern gar nicht gespielt hat. Wer übernimmt an dieser Stelle?

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