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May 8, 2026

Internet makes a radio star [Undisruptable Technology - Ausgabe #306]

#306, 8. Mai 2026

Guten Morgen,

durch die feiertagsbedingte Pause hatte ich ein etwas Zeit, vom Github Copilot zu Opencode zu wechseln - und ich bin schon ein bisschen geflasht, was möglich ist, insbesondere durch die Kombination von unterschiedlichen Modellen unterschiedlicher Anbieter. Die Mär vom “das macht dann die KI alles alleine” muss man nicht erzählen, aber es ist ein unglaublicher Boost, gerade für jemanden, der alleine entwickelt.

Wie wäre es da mit einem Arztterminplattformbuchungs-Update (wir wollen ja keine Namen nennen). Weil: das ist schon ein echter Digitalisierungs-Fortschritt, verglichen mit dem mühsamen Terminsuchen bei jedem Arzt einzeln, früher. Aber schon mal versucht, einen MRT-Termin für “Becken Hüfte rechts” zu buchen? Danach kann man nämlich nicht so einfach suchen, nur nach MRT und einigen willkürlich anmutenden speziellen MRT-Aufnahmeregionen. Und dann? Muss man aus riesigen Listen das richtige MRT aussuchen, da gibt es dann “Becken Weichteile” oder “Becken knöchern” oder aber auch “Hüfte”. Puh. Ohne ein paar Semester Medizin ist das echt schwer. Und dann stellt man fest, dass offenbar schlaue Ärzte die Plattform weniger für die Terminvergabe als für Marketing nutzen. Da bekommt man am Ende der Buchung den Hinweis, dass man als gesetzlich Versicherter aber selbst zahlen müsste (klar, was sonst), aber nicht schon am Anfang oder eben kein Angebot für gesetzlich Versicherte. Oder andere haben jeden Termin mit einem Text versehen “Nicht das Richtige gefunden? Rufen Sie uns an unter…” Das klingt dann nicht wie Arztbesuch, eher wie eine blinkende Werbebanderole.

Im KI-Zeitalter würde ich mir einfach ein Eingabefeld wünschen, in das ich die Diagnose und alles andere reintippe und den Rest erledigt das Backend, ohne mein Zutun. Gerne auch mit automatisierter Neusuche alle X Stunden, dann müssten Leute dafür auch nicht irgendwelche Bots bauen. Digitalisierung ist eben nie abgeschlossen, mit einer Plattform oder Website, Digitalisierung ist ein Prozess.

Und bevor wir jetzt zu den 10+ Links rund um digitale Disruptionen und analoge Absonderlichkeiten kommen, hier noch was wirklich schönes. Eine Website, die die Antwort auf die Frage liefert: Wie viele Leute sind eigentlich gerade im Weltraum? Na? Bei der Erstellung dieses Newsletters waren es 14.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Radio Garden: Meistens habe ich hier ganz oben in der Liste ja eine besonders spannende Tech-Geschichte oder einen wirklich langen, lesenswerten Text. Heute ist hier: Radio Garden. Wahrscheinlich nicht mal neu, aber ich bin jetzt erst draufgestoßen. Wer es nicht kennt: Wirklich, wirklich mal draufklicken. Eine Weltkarte mit Radiostationen. Vielen, vielen Radiostationen. Und man kann einfach draufklicken und hört rein. Klingt banal und ein bisschen langweilig? Ist es aber überhaupt nicht. Weil es toll gemacht ist und es einfach einen ganz eigenen Reiz hat, sich durch wirklich kleine Stationen weltweit zu klicken.

  2. An oligarch’s dystopian scheme to discredit journalism with AI: Vielleicht hat man dann auch den richtigen Soundtrack für diese Geschichte im Ohr. “A Peter Thiel-funded startup launched this month will use an “AI jury” to “subject the media’s claims to systematic investigation and judgment.” That same system of AI adjudication assigns a numerical value — the so-called “Honor Index” score — grading the trustworthiness of individual reporters. And for a starting price of $2,000, anyone can pay for the company to review and adjudicate complaints they may have about a news outlet or reporter.” Jetzt kann man ja noch kurz zucken und überlegen, ob es da vielleicht einen winzigen Kern von Idee gibt, die man irgendwie gut finden könnte. Und dann liest man so direkt in das Weltbild der Macher, dass das… schwerfällt: “To promote Objection, D’Souza has claimed that leading AI models apply “law consistently 100% of the time,” adding, “It’s become obvious that lawyers are probably the most displaceable profession, but judges are, too.”” Wer schon mal ein “leading AI model” ausprobiert hat und behauptet, dass die irgendwas “100%” machen, der führt entweder echt Böses im Schilde oder ist wirklich unhelfbar strunzdumm. Beides keine schöne Vorstellung.

  3. AI is starting to beat doctors at making correct diagnoses: So eine Meldung, die bei vielen die Reaktion “glaub ich nicht” oder “will ich aber nicht” hervorrufen wird. “In a new study, researchers show that a type of AI known as a large language model (LLM) often outperformed physicians at diagnosing complex and potentially life-threatening conditions, including decreased blood flow to the heart, even in the fast-moving stages of real ER care when information is limited, they report today in Science. In early ER cases, the model identified the correct or a very close diagnosis in about 67% of cases, compared with roughly 50% to 55% for physicians. And the technology is only getting better.”

  4. The AI Graveyard: Und damit es nicht heißt, hier wird ja nur unkritisch über KI herumgejubelt, kommt an dieser Stelle auch noch ein Hinweis auf den Friedhof der KI-Projekte. All die vielversprechenden Tools und Tülschens, die es am Ende nicht geschafft haben. RIP.

  5. Data centers at sea: Panthalassa nets $140M led by Peter Thiel for wave-powered AI: Sonnen- und Windenergie kennt jeder, aber wenn man etwas mit nachhaltiger Energie versorgen will, dann gibt es noch eine Idee: die Kraft des Ozeans. “Panthalassa is developing technology that pairs wave power generated by massive floating orbs with onsite AI computing. The systems transmit data via low-Earth-orbit satellites.” Bisher war das Problem ja, dass auf dem Meer produzierte Energie ja irgendwie dahin kommen musste, wo sie verbraucht wird. Der Ansatz ist ein anderes: Der Verbraucher zieht gleich mit ein. “One of the biggest challenges historically with wave power is the need to build costly infrastructure to move energy from the ocean to where it’s needed. Panthalassa’s approach sidesteps that problem by using power onsite to run already-trained AI models, while tapping cold ocean water to cool the hardware — solving two problems at once.”

  6. I Bought Friendster for $30k — Here’s What I’m Doing With It: Erinnert sich noch jemand an Friendster? Ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich fand den Text trotzdem interessant. Wegen der Idee, was einmal aus einem Namen im Internet wird, wenn die Sache dahinter nicht mehr existiert. Und auch wegen der Idee des neuen Sozialen Netzwerks: “So I created an iOS app for Friendster, and I made it so that in order to connect with someone as a friend, you have to actually tap phones together in real life.”

  7. Coinbase lays off nearly 700 workers in 'AI-native' restructuring: Ich bin mir nicht 100% sicher, ob ich einem Unternehmen aktuell glauben würde, das sagt: läuft alles prima, mega prima, aber KI, wow, das haut rein, wird alles noch viel, viel besser damit, deshalb müssen wir jetzt leider ein paar (Hundert) Leute rauswerfen. Vor allem aber würde mir bei der Begründung mulmig werden: “Armstrong claimed he'd seen engineers "use AI to ship in days what used to take a team weeks" and that non-technical teams in the company are "shipping production code””. Und zwar gerade deshalb, weil ich selbst auch gerne und viel mit KI programmiere.

  8. claude code is not making your product better: Vielleicht sollte man bei Coinbase mal in den Text hier reinschauen. Oder wenigstens mal ganz zum Ende scrollen und nachlesen: “Claude code helps anyone and their mom build a camry competitor. it doesn’t help the artisans at ferrari make faster ferraris. but if you’re going from zero to a camry, it’ll be extraordinarily helpful.” Also da würde ich mich schon fragen, ob mein Unternehmen sich eher mit dem Toyota Camry oder dem Ferrari identiifiziert.

  9. A dispute over the TAB key highlights a mismatch between Microsoft and IBM organizational structures: Es gab mal eine Zeit, da ging Microsoft als krasses Startup durch. Und hat beim Betriebssystem OS/2 (war eine tolle Sache, damals) mit den verschnarchten Anzugträgern von IBM zusammenarbeiten müssen (so deren Bild damals). Und wenn man liest, worüber die sich da in die Haare bekommen haben, dann ist das… vermutlich genauso wie noch heute, anderswo. Nämlich zum Beispiel ob man die Tab-Taste zum Springen zwischen Eingabefeldern nutzen darf (was wir alle natürlich und immer schon machen, dank Microsoft). Das fing so an: “My colleague’s manager replied, “The reason you are in Boca is to make these decisions so I don’t have to be in Boca.” My colleague rephrased this reply in a more corporate manner before passing it on to IBM: “Microsoft supports the use of the TAB key for this purpose.”” Und endete bei Bill Gates Mutter. Aber das muss man wirklich selbst nachlesen.

  10. Viva la revolución: LinkedIn profile visitor lists belong to the people, says Noyb: Vielleicht sollte die EU ihr Marketing einfach mal mehr auf die monetären Vorteile ihrer zahlenden Kundschaft umstellen? Als EU-Bürger dank DS-GVO einfach mal die Premium-Beiträge für LinkedIn sparen, wäre das nicht was? Denn nur wer zahlt bekommt angezeigt, wer das eigene Profil denn zuletzt so besucht hat. “One unnamed LinkedIn user refused to accept this lesser status, and approached Microsoft to exercise their GDPR Article 15 right to a copy of their personal data processed by LinkedIn.” Und wenn man länger drüber nachdenkt, dann wird es unter den Datenschutzregeln schon schwer, das der zahlenden Kundschaft vorzubehalten.

Undisruptable Technology im Bild

Welches Unternehmen verdient am schnellsten Geld? Was ist das erfolgreichste Unternehmen, gerechnet pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter? Wie sieht das in den USA aus und wie in Europa? Und welche Branchen liegen vorne? Eine wahre Fundgrube von interessanten (Um)Rechnungen hat BestBrokers hier zusammengetragen, lohnt sich mal draufzuklicken.

Und zuletzt...

Ich weiß ja nicht, ob der Papst auch einen Newsletter schreibt. Zuzutrauen wäre es ihm, vermutlich aber unter Pseudonym. Aber dort könnte er bestimmt so lustige Customer-Service-Episoden schreiben wir ich zuletzt hier an dieser Stelle. Zum Beispiel über seine Bank. Dort, in Chicago, wollte er seine Telefonnumer ändern lassen, als er schon beruflich in Rom tätig war. Dazu müsse er aber vorbeikommen, persönlich, beschied ihm das Call-Center. “But after pleading with the representative to no avail, Leo had one last card to pull. "Would it matter to you if I told you I'm Pope Leo?" he said. That didn't work, either. "She hung up on him," McCarthy said. "Could you imagine being known as the woman who hung up on the Pope?"“

Und, Achtung: Spoiler!, wer jetzt total aufgeregt ist, aber trotzdem nicht den Link anklicken will: Die Sache ist gut ausgegangen. Aber erst nachdem gedroht wurde, der Papst könne ja auch seine Bank wechseln. (Ich dachte ja immer, dem Papst gehöre sowas wie die Vatikan-Bank oder wie immer die auch heißt, aber vielleicht braucht er ja auch einfach nur ein Zweitkonto für private Sachen, die sein Chef nicht sehen soll.)

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