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March 6, 2026

Hier wird der Zahlungseingang noch von Hand verbucht[Undisruptable Technology - Ausgabe #300]

#300, 6. März 2026

Guten Morgen,

auch 2026 sind echt digitale Prozesse offenbar… nicht wirklich einfach. Ich bestelle ja - was man durchaus aus unterschiedlichen Gründen kritisch sehen kann - sehr viel bei Amazon. Weniger wegen des Preises als wegen der Userexperience und des Kundendienstes, wenn mal was nicht so ist, wie es sein sollte. Allerdings scheint der US-Riese Letzteres auch zunehmend auszusourcen. Und so musste ich einen zu Weihnachten gekauften E-Scooter gerade an einen Reparaturdienst in Flensburg schicken (und habe dabei gelernt, dass DHL für wirklich supergünstige drei Euro Pakete bei einem zu Hause abholt, auch wenn die groß und schwer sind).

Nach einer Woche habe ich dann auch eine Mail bekommen, dass der Roller da ist und einen Link zu einer Webseite, wo ich den Reparaturstatus einsehen kann. Diese Seite versprüht den Charme der Eingabemaske eines Warenwirtschaftssystems aus den frühen 2000er Jahren. Aber sie zeigte etwas an. Und dann kam die nächste Mail, dass leider kein Garantiefall vorliege, da eine mechanische Beschädigung festgestellt wurde, und man das Ding für 100 Euro reparieren würde. Jetzt hatte ich das Fahrzeug hier vor Ort in einem Laden schon mal in Augenschein nehmen lassen und dort war die Diagnose ziemlich eindeutig: Garantiefall, würde ich hier nix machen, dann erlischt die Garantie nämlich. Aber egal, der Frühling ist da, ideales Wetter für E-Rollerndes-Fahren, und bevor ich mich da lange streite und das Paket noch ein paar Mal hin und her schicke, zahle ich die 100 Euro halt. Das geht auch in Flensburg per Paypal. Allerdings: Nicht mit einem Button, sondern man lädt ein zweiseitiges PDF runter in dem einem erklärt wird, wie man per Paypal-App mit Geld senden an eine Mail-Adresse der Zahlungsverpflichtung nachkommt. Nun ja.

Allerdings bleibt auch nach der Zahlung in der Warenwirtschaftsmaske, pardon, der Benutzerobefläche zur Reparaturstatus-Abfrage, das Feld auf “Warte auf Zahlungseingang”. Stundenlang. Deshalb vielleicht doch mal nachfragen? Über das Kontaktformular mit Häkchen “mir eine Kopie der Nachricht senden” passiert… nichts. Zweimal nichts. Und deshalb schicke ich am nächsten Morgen eine Mail an die Paypal-Adresse und die im Impressum angegebene andere Mailanschrift und weise darauf hin, dass das alles etwas unseriös und relativ mau aussieht und dass meine nächste Nachricht dann doch an Amazon gehen würde. Und ja, was höre ich da, ich bin ja einfach nur zu ungeduldig: “Die von Ihnen bezahlten 101,91€ sind bei uns am 04.03.2026 eingegangen. Wir buchen die Zahlungseingänge immer am Folgetag ein.”

Und jetzt habe ich dieses Bild vor Augen, ein Einfamilienhaus am Rand von Flensburg, wo jemand morgens die Paypal-Mails durchschaut, ausdruckt und dann die Zahlungseingänge in die Buchhaltungssoftware einträgt, die direkt mit dem Warenwirtschaftssystem verbunden ist, damit in der Garage hinten jemand anfangen kann, den Scooter zu reparieren. Und das alles im Auftrag des Weltkonzerns Amazon. Das klingt irgendwie heimelig, ist aber auch ein Reminder, dass es womöglich doch besser ist, den Kram im Fachhandel an der nächsten Ecke zu kaufen.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. You Bought Zuck’s Ray-Bans. Now Someone in Nairobi Is Watching You Poop: Jemand hat recherchiert, dass die KI-gestützten Ray Ban Sonnenbrillen von Meta ihre Bilder durchaus nicht nur künstlicher Intelligenz, sondern auch menschlicher zeigen. “Workers at Sama, one of Meta’s annotation subcontractors, describe reviewing video of people undressing, coming out of bathrooms naked, watching porn, having sex, and exposing bank card details. It’s all captured by someone wearing the glasses, often without the subject knowing they were on camera. One worker said: “We see everything — from living rooms to naked bodies.” Another noted there are no phones allowed in the office because the material is so sensitive it could trigger “enormous scandals” if anyone knew.” Meta verweist darauf, dass wenn man irgendwo zugestimmt hat, die Daten mit dem Unternehmen zu teilen (und nur dann) könne das schon sein.

  2. Israel Spent Years Hacking Tehran Traffic Cameras to Track Khamenei Before Strike: Wir reden ja in Deutschland inzwischen öfter über Resilienz und Sicherheit von kritischen Infrastrukturen. Dazu gehören zum Beispiel auch Kameras zur Verkehrsüberwachung. Wer’s nicht glaubt, sollte mal im Iran nachfragen. “Israel has reportedly spent years monitoring the movements of Iran’s Supreme Leader Ali Khamenei through Tehran’s traffic camera network, as part of the intelligence effort preceding the strike that killed him, the Financial Times reported.”

  3. Jack Dorsey Just Fired The Starting Gun On AI Layoffs: Diese Nachricht wurde mir so oft ins Postfach gespült, dass ich die auch in diese Ausgabe meines kleinen Newsletters aufnehmen muss. “In what may be the most significant AI layoffs announcement to date, he told more than 4,000 employees they were losing their jobs because artificial intelligence had made them unnecessary. And he did it while the company was posting record profits.” Bei solchen Nachrichten frage ich mich vor allem immer, was die Leute, die da entlassen werden, vorher gemacht haben. Im Artikel heißt es auch: “The company grew from 5,477 employees in 2020 to 12,985 by the end of 2023, a 137% increase in three years.”

  4. Kritisches Denken ist überbewertet. Ohne Fachwissen ist es nur Raten mit Methode. : Ein interessanter LinkedIn-Beitrag über die Frage, wie und wo uns eigentlich KI unterstützen kann. Es geht dabei auch um die “Pazifische Baumkrake”, die - wie viele nicht wissen - vom Aussterben bedroht ist.

  5. Oura launches a proprietary AI model focused on women’s health: Technik ist zu oft auf Männer ausgerichtet, das gilt womöglich auch für KI-Modelle. Oura, die zum Beispiel einen smarten Ring zum Messen von Körperfunktionen anbieten, hat deshalb eine auf Frauen ausgerichtete KI an den Start gebracht: “Oura announced on Tuesday that it’s launching its first proprietary AI model to enable its AI chatbot, Oura Advisor, to deliver personalized insights around women’s health. The company says the model supports questions spanning the full reproductive health spectrum, from early menstrual cycles through menopause.”

  6. How close are we to a vision for 2010?: Es gibt ja ständig irgendwelche Szenarien “XYZ 2030” oder “ABC 2050”. Ich habe mich da schon öfter gefragt, ob die jemand mal abprüft, also was davon eingetreten ist. Hier hat sich mal jemand angeschaut, wie weit wir bei den Technologie-Fantasien aus dem Jahr 2000 für das Jahr 2010 im Jahr 2026 sind. Und das ist durchaus… unterhaltsam und aufschlussreich. “The ISTAG published an optimistic paper called "Scenarios for ambient intelligence in 2010". It's a brilliant look at what the future might have been. Let's go through some of the scenarios and see how close 2026 is to 2000's vision of 2010.”

  7. The Age-Verification Trap Verifying user’s ages undermines everyone’s data protection: Jugendliche im Internet und vor Social Media schützen, ist ja gerade das Thema der Stunde. Was es dazu braucht: Altersüberprüfung. Kann ja nicht so schwer sein. Oder vielleicht doch? “In cases when regulators demand real enforcement rather than symbolic rules, platforms run into a basic technical problem. The only way to prove that someone is old enough to use a site is to collect personal data about who they are. And the only way to prove that you checked is to keep the data indefinitely. Age-restriction laws push platforms toward intrusive verification systems that often directly conflict with modern data-privacy law.”

  8. Lines of Code Are Back (And It's Worse Than Before): Ein wirklich interessanter Text, der damit anfängt zu erklären, warum es keine gute Kennzahl ist, Entwicklungsteams nach den Zeilen Code zu bewerten, die sie produzieren (Spoiler: weil man diese Messzahl sehr gut selbst steuern kann und Minus manchmal sogar besser als Plus wäre). Und dass diese Erkenntnis in den Unternehmen eigentlich inzwischen weit verbreitet ist. Außer wenn es um KI geht. Dann wird plötzlich mit großen Augen berichtet, wie viel Prozent des Codes inzwischen von KI geschrieben werde. Und das sei nun mal derselbe Bullshit. “Twenty-five percent. Thirty percent. Fifty percent. Ninety percent. The numbers only go up, and they're presented as achievements—on earnings calls, in press releases, at conferences. Nobody is reporting "percentage of bugs introduced by AI-generated code" or "percentage of AI code that survived review unchanged." Nobody is mentioning how much of that generated code was thrown away, reworked, or never deployed. The headline metric is volume. LOC by another name.”

  9. YouTube Shorts and Instagram Reels are making you dumber, according to science: Den Link zu diesem Artikel habe ich hier nur untergebracht, damit ich meinen Newsletter mal meinen beiden Kindern schicken kann: Reels und Youtube Shorts machen blöd. “What the study found is fascinating users on social media. Those who reported higher instances of consuming short-form video content were more likely to have less self-control, scored low on the test’s focus section, and showed weaker activity in the frontal midline region of the prefrontal cortex, the core of the brain’s focus and control center.”

  10. He built a hit podcast about the Epstein files. It’s entirely AI-generated: Vielleicht keine große Überraschung, dass es auch einen Podcast zu den Epstein-Akten gibt. “The Epstein Files is an investigative documentary podcast that, at the time of writing, has published 97 episodes—new episodes get uploaded twice daily—and notched up more than 700,000 downloads in a matter of days. That puts it in the top 10 rankings of podcast series on Apple Podcasts, and in the top 30 on Spotify. But it’s created by Adam Levy, an entrepreneur with a background in building data products and content creation, who has no experience in journalism.” Wie das geht? Das Ganze ist komplett KI-generiert. “Levy built an automated pipeline that ingests the raw files, extracts text from emails and images, cross-references sources, and produces scripted podcast episodes narrated entirely by AI-generated voices.”

Undisruptable Technology im Bild

Doom auf einem 20 Jahre alten Telefon

Doom war das Spiel, für das sich diese ganz Computerverkabelung im AStA damals gelohnt hat, Ende der 1990er. Und auch heute noch ein Stück faszinierender Software - die auch auf 20 Jahre alten Telefonen läuft. Ein Klick aufs Bild führt zum Artikel der erklärt, wie es geht.

Und zuletzt...

Das ist einfach ein wirklich zutiefst unterhaltsamer Text über Reaktionen auf der Plattform “Hackernews” zu technologischen Innovationen. Also solchen Innovationen, die ziemlich erfolgreich wurden. Und solchen Reaktionen, die diese in Bausch und Bogen verdammt haben. Zu ChatGPT findet sich unter anderem ““Iasked the chatbot broad questions and got answers that were straight-up false. These chatbots instill a delusion of consciousness in people. Every new technology has initially had cases where people could be deluded into thinking it was magic.” Oder zu Dropbox: “It does not seem very ‘viral’ or income-generating.” Für Menschen, die immer alles besser wissen, eine hervorragende Fundgrube.

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