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April 17, 2026

Haben Sie schon ihren Roboter ausgesucht? [Undisruptable Technology - Ausgabe #304]

#304, 17. April 2026

Guten Morgen,

die Newsletterosterpause ist vorbei und in der kurzen Schulferienzeit ist einiges passiert, was sonst Eingang in dieses kleine Editorial gefunden hätte. Zum Beispiel hat der E-Scooter nach seiner Reparatur in der norddeutschen Garage (treue Leserinnen und Leser erinnern sich) erneut seinen Geist aufgegeben, was Kontakt zum Amazon Kundendienst erforderte. Die Rückruf-Anforderung war wie früher problemlos, die Bandansage “…werden mit dem ersten Kundendienstmitarbeiter verbunden, der ihre Sprache spricht…” ließ eher Schlimmes erahnen. Doch der Erstkontakt, der mir eher schwer folgen konnte, stellte dann dankenswerterweise zu “Christoph” durch, der problemlos eine Ersatzlieferung in die Wege leitete, die schon angekommen ist. Während die Abholung des defekten, wieder verpackten Scooters durch Hermes auf sich warten lässt. Meine These: die wird nie passieren, muss ich noch mal anrufen, wenn ich das nicht selbst entsorgen will.

Ansonsten war ich auch newsletterlos fleißig. Seit gestern gibt es auf der Bitkom-Website (Disclaimer: mein Arbeitgeber) wieder eine Suchfunktion, die wir nicht teuer eingekauft haben, sondern die ich einfach (nein, nicht einfach, es war schon ein komplexer Weg mit vielen Learnings, aber das Ergebnis dürfte manche Lösung von der Stange schlagen) selbst gebaut habe. Ernüchternd ist nur, dass die Menschen dort wirklich nur Schlagworte reinwerfen. “Cyberschäden”. Oder “Künstliche Intelligenz”. Oder “Hardware”. Ich meine, das ist eine KI-Suche, die funktioniert semantisch am besten, wenn man ihr sagt, was man will. Sowas wie: "Wie viele Unternehmen in Deutschland setzen KI ein und wie viele waren es vor zwei Jahren?" Was heißt dagegen bitte Hardware?Umsatz mit Hardware in Deutschland? Exportzahlen? Hardwareschäden? Hardware im Unterschied zu Software? Meine Vermutung: Menschen, die in eine KI-Suchleiste ein Wort werfen setzen sich auch ins Restaurant und sagen ohne die Speisekarte anzusehen nur “Essen”. Aber wahrscheinlich zeigt das, dass wir Google-Suchleisten-Generation uns ein wenig umgewöhnen müssen.

Ein Abfallprodukt der Suche ist übrigens das kleine Spiel Techword. Jeden Tag ein Wort aus dem im weitesten Sinne Digital-Universum erraten. Und weil die KI das Wort bestimmt, kann ich sogar selbst mitraten. Und bin vorgestern blamabel gescheitert. Ein bischen ernsthafter ist da mein Projekt “LLM Integrated Service System for You”, eine KI-Assistenz für mich persönlich, die von Mails über Kalender und Kontakte bis zu Cloud-Speicher, Wiki und Wallabag-Bookmarks mit verwaltet und wirklich hilfreiche Dinge tun kann. Eine Art OpenClaw, der nicht auf Steroiden ist, und bei dem ich genau weiß, was passiert, weil der Code von mir ist. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Jetzt erstmal viel Vergnügen mit den 10+ Links rund um digitale Disruptionen und analoge Absonderlichkeiten. Handkuratiert, ohne KI-Hilfe, und das, was mir besonders gefallen hat. Und wenn jede und jeder diesen Newsletter in den kommenden sieben Tagen einer anderen Person anempfiehlt (oder mehreren, sehr gerne), dann könnten die stagnierenden und minimal rückläufigen Abonnentenzahlen vielleicht wieder in die andere Richtung drehen.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Allbirds Soars 582% After Sneaker Firm Rebrands as AI Stock: Das ist jetzt mit Sicherheit nicht die wichtigste Nachricht der vergangenen drei Wochen (ja, die Osterpause), aber eine von denen, die mir am besten gefallen hat. Was machst Du als marodes Konsumgüterunternehmen mit Schwierigkeiten auf dem Kapitalmarkt? Du erklärst Dich zum KI-Vorreiter und schaust zu, wie Dein Kurs durch die Decke geht: “Despite the fact that there is no obvious overlap between shoemaking and cutting-edge computer science, Allbirds has roared higher. The company previously seized on the business zeitgeist with its eco-friendly shoes, which were once a Silicon Valley favorite.”

  2. Amazon buys the satellite internet company behind Apple’s SOS system: Es wird eng im All. Naja, zumindest ein bisschen enger. Bisher hatte Elon Musks Starlink und SpaceX ja so ein kleines Satellitenmonopol, aber das will jetzt jemand anderes mit Geld mal ändern: “Amazon has today announced it is merging with satellite internet provider Globalstar Inc. to bolster Leo, its Starlink rival. Globalstar isn’t a household name but you do know its work, as it provides Apple’s emergency satellite connectivity for compatible iPhones and Watches.”

  3. Warum ein Start-up aus Jena den Deutschen Tischtennis-Verband verklagt: Sport und Technologie und dann auch noch Tischtennis, das muss ja in diesen Newsletter. Weil die ersten beiden Sachen mich interessieren und letztes für meine geschätzte Kollegin Merle als Tischtennisprofi. Die Geschichte dreht sich um die digitale Erfassung von Spielergebnissen und Verbände, die da die Hand drauf halten und es Startups schwer machen. “Im Kern des Konflikts steht der Zugang zu Daten. Digitale Anwendungen wie das Janova-Zählgerät sind darauf angewiesen, Spielansetzungen, Ergebnisse und weitere Informationen verarbeiten zu können. Genau hier setzt die Klage an: Janova will gerichtlich klären lassen, ob ein Zugang zu diesen Daten zu angemessenen Bedingungen gewährt werden muss.”

  4. Thousands of rare concert recordings are landing on the Internet Archive — listen now: Das Internet Archive kennt man natürlich, aber ich wusste wirklich nicht, dass es dort auch Musik gibt. Und in diesem Fall sogar sehr viel Musik. “So far, about 2,500 of these tapes have been posted on the Internet Archive, including some rare gems like a Nirvana performance from 1989. (The group wouldn’t break through to mainstream audiences until they released the single “Smells Like Teen Spirit” in 1991.) Within the collection, you can also find previously unknown recordings from influential artists like Sonic Youth, R.E.M., Phish, Liz Phair, Pavement, Neutral Milk Hotel, and a whole bunch of other punk groups.”

  5. Gen Z workers are so fearful AI will take their job they’re intentionally sabotaging their company’s AI rollout: “Fortune” hat sich des Themas angenommen, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Einführung von KI im eigenen Unternehmen sabotieren. Ich meine, so ganz fern liegt die Idee ja nicht: wer will schon den neuen Kollegen anlernen wenn man weiß, dass der dann den eigenen Job übernehmen soll? “The sabotage entails entering proprietary information into public AI tools, or using unapproved AI tools. Some employees report outright refusing to use AI tools. Others have even admitted to tampering with performance reviews or intentionally generating low-output work to make AI appear less effective.”

  6. Sam Altman’s Coworkers Say He Can Barely Code and Misunderstands Basic Machine Learning Concepts: Die Story war sicher einer der spannendsten der vorvergagenen Wochen: Wer ist eigentlich Sam Altmann? Das Stück im “New Yorker” liegt hinter der Paywall, aber hier gibt es einen kurzen Überblick, worum es geht. “A new exposé in the New Yorker paints a different portrait, and it’s substantially more vexing. Drawing on interviews with numerous OpenAI insiders who worked with Altman, the article portrays the CEO not as a technical wiz, but as a skilled manipulator — and one with a surprisingly shallow grasp of the AI systems his company is building.” Und hier schreibt Sam Altmann über die Folgen.

  7. John Deere to Pay $99 Million in Monumental Right-to-Repair Settlement: Das Thema habe ich in diesem Newsletter schon mal aufgegriffen, jetzt gibt es eine rechtliche Lösung. “Farmers have been fighting John Deere for years over the right to repair their equipment, and this week, they finally reached a landmark settlement. While the agricultural manufacturing giant pointed out in a statement that this is no admission of wrongdoing, it agreed to pay $99 million into a fund for farms and individuals who participated in a class action lawsuit.” Und das bedeutet, jetzt können die Landwirte ihre teuren Maschinen, die nichts anderes sind als rollende Computer, auch selbst reparieren (lassen). “The settlement also includes an agreement by Deere to provide “the digital tools ​required for the maintenance, diagnosis, and repair” of tractors, combines, and other machinery for 10 years. That part is crucial, as farmers previously resorted to hacking their own equipment’s software just to get it up and running again.”

  8. Meta is reportedly working on an AI model of Mark Zuckerberg: Die Metaverse-Ära bei Meta mit dem Zuckerberg-Avatar ist official over. Jetzt kommt das Zuckerberg-KI-Modell. “The company has reportedly been working for some time on creating photorealistic, 3D-animated AI characters that can manage interactions. However, it now appears to be focusing on this Zuckerberg AI character, which would interact with employees in his stead. Yeesh.”

  9. Two Months After I Gave an AI $100 and No Instructions: Ein wirklich interessanter Blog-Beitrag über ein Experiment: Was macht eine KI, wenn man ihr nicht sagt, was sie machen soll? Und ihr nur Zugang zum Internet gibt und sogar ein bisschen Geld. “I wanted to test that. Not with a paper or a benchmark. With a live system that anyone can watch”, schreibt der Autor. Und der Text ist wirklich lesenswert.

  10. GuppyLM: Warum dieses winzige LLM nur über Futter und Wasser spricht – und das mit Absicht: Und wo wir schon bei Experimenten sind, das hier gefällt mir auch. Ein Sprachmodell, das nicht immer größer und besser sein will, sondern das Gegenteil: klein. Klein wie ein Fischgehirn (sorry, wenn hier Fische mitlesen oder Menschen, die sich Fischen besonders verbunden fühlen). “Das Projekt soll zeigen, dass das Trainieren eines eigenen Sprachmodells kein Expert:innenwissen erfordert. Im Gegensatz zu anderen Sprachmodellen wie GPT-5.2 oder Claude Opus 4.6 besteht das Ziel für GuppyLM nicht darin, Billionen Parameter zu umfassen. Stattdessen soll es jeden einzelnen Teil des Prozesses nachvollziehbar machen – vom Rohtext über trainierte Gewichte bis hin zur generierten Ausgabe.”

Undisruptable Technology im Bild

Man kann online Roboter bestellen, wie meine Kollegin Nina jüngst festgestellt hat. Die Preise sind noch… ambitioniert. Aber zumindest die Versandkosten von 4,90 Euro klingen vernünftig. In die Packstation passt das Paket leider nicht. Wobei ich mich frage, warum eigentlich Versandkosten? Er kann doch einfach aus der Fabrik loslaufen.

Und zuletzt...

Ich möchte in diesem kleinen Newsletter niemandens religiöse Gefühle verletzen und deshalb habe ich über den Titel lange nachgedacht. Aber ich kann ja auch nichts dafür, dass er mächtigste Mann der Welt, der großartigste Unternehmen aller Zeiten und der POTUS und der Führer der ganzen freien Welt (so, jetzt sollte meine Mail auch bei den Abonnentinnen und Abonnenten in Übersee durch den Filter kommen) jetzt offenbar komplett durchgedreht ist (ups, doch nicht). Und sich mit Hilfe von KI, die sich ja nun mal nicht wehren kann, zu Jesus höchstselbst hochstilisiert hat. Und das kurz nach Ostern. Wobei das mit Blick auf die christlichen Überlieferungen ein sicherer Move ist als es eine Woche vorher zu machen.

Und mit KI für Politpopanz ist der White-House-Bewohner nicht allein. Auch der Iran hat im jüngsten Konflikt auf Künstliche Intelligenz gesetzt - und lustige Lego-Filmchen ins Web gesetzt statt dröger Propagandaschinken.

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