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April 24, 2026

Einmal Tech-News mit alles, bitte! [Undisruptable Technology - Ausgabe #305]

#305, 24. April 2026

Guten Morgen,

falls hier irgendwer von einem deutschen Versandhändler mitliest (und sorry, hier kommt wieder ein kleiner Kundenservice-Rant: ich hätte eine phänomenale Geschäftsidee. Einfach auf maximalen Kundensupport setzen, Alleinstellungsmerkmal kein KI-Chat vorgeschaltet, direkter Rückruf aus einem Call-Center, in dem Menschen arbeiten, die wirklich Kundendienst machen wollen und können. Es ist da nämlich gerade ein Plätzchen auf dem hart umkämpften Markt freigeworden, scheint mir.

Ich bestelle wirklich viel bei Amazon, manchmal auch mit schlechtem Gewissen, ja, aber wenn mal was nicht klappt, dann ist in dem Laden wirklich der Kunde (und die Kundin) noch König (oder Königin). So habe ich nach der fehlgeschlagenen Reparatur des E-Scooters (ich berichtete ja in früheren Ausgaben) wirklich postwendend ein Ersatzgerät bekommen. Nur: der alte steht hier, fein säuberlich verpackt und mit Rücksendeetikett versehen, weiter rum. Heute habe ich bei Amazon angerufen. Nachdem ich mich durch einen wirklich lächerlich schlechten KI-Chat (ich dachte, GPT-2 wäre längst abgeschaltet) geklickt habe. Man darf sogar wählen, ob man auf Englisch oder Deutsch sprechen will (vielleicht nehme ich nächstes Mal dann doch Englisch), und das Gegenüber konnte diese Sprache auch, allerdings bezweifle ich, dass mein eher komplexeres Problem verstanden wurde. Auf der anderen Seite wurde mir angeboten, den Karton doch selbst zu Hermes zu bringen (nein, danke, ich hab ja schon alles, was ich wollte, ich dachte, Amazon wollte das defekte Gerät vielleicht zurück?) oder es würde abgeholt (ja, das Versprechen hörte ich schon). Nun, Hermes soll mich in den nächsten zwei Tagen anrufen. Ehrlich jetzt? Amazon sourct den Kundenservice(!) an Hermes aus? Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber in der Reihe der Paketzustelldienste, die nur Zettel hinterlassen, belegt das götterbenamte Unternehmen echt einen Spitzenplatz. Zu hoffen, dass die sich kümmern werden… ich bin gespannt.

Übrigens glaube ich fest, dass KI einen hervorragenden Kundenservice machen könnte. Aber nicht mit einem schnell hingepfuschten 08/15-Chatdings, das einem immer und immer wieder sagt, man könne gerne angerufen werden, wenn man zur Gruppe der Menschen mit Beeinträchtigungen gehört oder so. Und dann nur Links zu irgendwelchen Infoseiten ausspuckt. Ich bin sogar fast sicher, dass es im Amazon-Imperium Menschne und Abteilungen gäbe, die sowas bauen könnten, aber augenscheinlich sind die gerade mit wichtigeren und streng geheimen Projekten befasst und auf jeden Fall nicht verfügbar.

Bis nächste Woche, mal sehen, ob bis dahin der Alt-Scooter abgeholt wurde,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Data centers are expensive, unpopular — and could be a tipping point in the midterms: Widerstand gegen Infrastrukturprojekte ist nicht nur eine deutsche Besonderheit, in den USA regt sich ebenfalls Widerstand: gegen große Rechenzentren, die insbesondere für KI-Nutzung gebraucht werden. Und das ist nicht nur ein regionales Thema, sondern könnte die große Politik beeinflussen, bei den Midterm-Wahlen. “"It has become a kitchen table issue, and it has become a very relevant political issue," said Christabel Randolph, associate director of the Center for AI and Digital Policy, a technology nonprofit that promotes fairness and accountability.”

  2. Why We Accepted Surveillance as Default: Eine wirklich interessante Geschichte darüber, wie das Tracking im Web entstanden ist. “In 1996, banner advertisements existed. They were, in a word, random. DoubleClick's innovation was the third-party cookie: a small text file set by a server you never visited, allowed to follow you across every website that loaded its pixel. The technical mechanism was mundane. The architectural consequence was not.” Kann man sich mal durchlesen, weil: es beschreibt immer noch, wie das Netz funktioniert. Und am Ende steht die Frage: “The infrastructure persists because it was built, and persists because undoing it would be inconvenient for the organisations that built it. Apple's one prompt shifted $10 billion in a single year. What might a dozen prompts have shifted? What might a refusal to ship third-party cookies at all, in 1996, have shifted?”

  3. Microsoft's GitHub grounds Copilot account sign-ups amid capacity crunch: Die Zeiten, in denen KI-Anbieter um neue Kundinnen und Kunden gebuhlt haben und immer neue Features bereitgestellt haben, könnten sich dem Ende zuneigen. Diese Woche konnte man sich zum Beispiel nicht mehr für Github Copilot registrieren und die bestehenden Abonnements wurden beschnitten, etwa was die leistungsstärksten Modelle angeht. Die Begründung: “As Copilot's agentic capabilities have expanded rapidly, agents are doing more work, and more customers are hitting usage limits designed to maintain service reliability. Without further action, service quality degrades for everyone.” Mein Take Away: Prepare to pay more for AI.

  4. The Deepfake Nudes Crisis in Schools Is Much Worse Than You Thought: “Wired” hat eine Geschichte darüber, welche Auswirkungen sogenannte “nudify apps” in den Schulen haben. “Around the world, teenage boys are saving Instagram and Snapchat images of girls they know from school and using harmful “nudify” apps to create fake nude photos or videos of them. These deepfakes can quickly be shared across whole schools, leaving victims feeling humiliated, violated, hopeless, and scared the images will haunt them forever.”

  5. A Silicon Valley startup wants to sell you a brain-reading beanie: In diesem Newsletter ist ja auch Platz für echte cutting edge Technologie. Dinge, die ihrer Zeit wirklich weit voraus sind. Wie zum Beispiel… diese gedankenlesende Mütze. “Skip the keyboard and skip the dictation: a California startup called Sabi says it will ship a wool hat that lets you type by thinking, and it wants the first ones on heads before the year is out.” Und das klingt zwar ein bisschen scary, aber offenbar gibt es da schon klare Pläne: “Most EEG caps have a dozen to a couple hundred sensors. Sabi is cramming in 70,000 to 100,000 tiny ones, and feeding the noisy output to what CEO Rahul Chhabra calls a "brain foundation model." To train it, the company collected roughly 100,000 hours of recordings from a pool of 100 volunteers. The target at launch is 30 words per minute.”

  6. SpaceX is working with Cursor and has an option to buy the startup for $60B: Cursor war ja so ein Ding, dass als KI-Programmierhilfe noch auf meiner “Mal ausprobieren”-Liste stand. Jetz scheint es das Projekt aber eher in Richtung des Musk-Unternehmenskonglomerats zu ziehen. “SpaceX said it has struck a deal with Cursor to develop a next-generation “coding and knowledge work AI,” which includes a surprising provision — an option to buy the popular software development platform for $60 billion later this year. Partnering with and potentially purchasing a leader in the hottest AI product category can only be seen in the context of SpaceX’s much-anticipated public offering. Investors seeking more value in the IPO might see its engagement with Cursor as another way to extract value from Elon Musk’s increasingly sprawling tech conglomerate.” Aber irgendwie klingt das schon wieder nach, “schreiben wir bei einem Unternehmen ein bisschen mehr KI drauf, dann verkauft es sich besser”.

  7. Wenn ChatGPT Kanzlers Meinung ändert: Das ist ja durchaus eine interessante Fragestellung: Was ist denn, wenn die Mächtigen KI genauso nach Rat und Entscheidungshilfe fragen, wie wir das in unserem Alltag und im Beruf inzwischen längst tun? “Es besteht die Gefahr, dass die Vorurteile und Präferenzen der Chatbots über Menschen mit politischer Macht in Gesetze und Entscheidungen einfließen, die Staat und Bürger*innen betreffen.”

  8. TikTok Skits Reveal ChatGPT, Gemini And Grok Are Confidently Wrong: Womöglich würde es sich anbieten, ein bisschen TikTok zu schauen, bevor man die KI ernsthaft um Rat fragt. “Forbes” hat eine Story darüber, wie sich auf Social Media gerade über KI-Fehler lustig gemacht wird - und vor allem, mit welcher Überzeugung die KI auf ihrem Blödsinn beharrt.

  9. BrowserGate: So scannt LinkedIn offenbar euren Rechner: Sasche Pallenberg mit einer Geschichte, nach der LinkedIn offenbar prüft, welche Browser-Extensions jemand benutzt. “LinkedIn kennt die Person dahinter. Klarnamen. Arbeitgeber. Berufliche Historie. Ausbildung. Standortwechsel. Netzwerke. Interessen. Kontakte. Karriereschritte. Das ist kein x-beliebiger Datensatz. Das ist ein in weiten Teilen identifizierter beruflicher Fingerabdruck. Wenn eine Plattform mit genau diesem Wissen auch noch nachvollziehen kann, welche Browser-Erweiterungen ihr installiert habt, welche Tools ihr nutzt, ob ihr womöglich nach Jobs sucht, welche Arbeitswerkzeuge in eurem Unternehmen eingesetzt werden oder welche besonders sensiblen Erweiterungen in eurem Browser laufen, dann bekommt die Geschichte eine voellig andere Dimension.”

  10. A humanoid robot sprints past the human half-marathon world record in Beijing race: KI will nicht nur Texte zusammenfassen, Bilder und Videos generieren oder Code schreiben, nein jetzt wollen die Roboter uns auch noch die Hobbys wegnehmen. “ A humanoid robot that won a half-marathon race for robots in Beijing on Sunday ran faster than the human world record in a show of China's technological leaps. The winner from Honor, a Chinese smartphone maker, completed the 21-kilometer (13-mile) race in 50 minutes and 26 seconds.” 50 Minuten und 26 Sekunden? Das ist doppelt so schnell wie meine 2 Stunden und 5 Minuten. Und vermutlich war das Ding am Ende nicht mal erschöpft - und ein alkoholfreies Bier hat es auch nicht genommen.

Undisruptable Technology im Bild

Elektronische Preisschilder im Supermarkt sind eine tolle Sache. Bis jemand kommt und ein Gerät hat, mit dem man die einfach ändern kann. Die Geschichte mit einem Klick auf das Bild (das von einer Kollegin nachträglich leicht KI-editiert wurde, da der Daumen zu sehr die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte).

Und zuletzt...

Prego ist offenbar eine Pasta-Saucen-Marke aus den USA, die ein etwas überraschendes Projekt in ihr Portfolio aufnimmt: “On Monday, the Campbell’s Soup-owned brand announced a new hockey puck-shaped device, called the “Connection Keeper,” designed for documenting dinner table exchanges so that they may be preserved for all time.” Also eine Gerät, das aussieht wie der Deckel einer Saucen-Flasche, das die Tischgespräche aufzeichnet. Äh, und warum? “If this lofty mission seems beyond the ken of Prego, the device was developed in collaboration with StoryCorps, a nonprofit dedicated to interviewing everyday Americans and preserving these conversations.” Ich bin mir jetzt nicht so ganz sicher, ob ich das wirklich wollen würde, aber, nun ja, offenbar wird es auch dafür einen Markt geben. “For $20, you get, according to a release: “one Prego® x StoryCorps Connection Keeper”; “Prego® meal essentials, including Prego Traditional Pasta Sauce”; and “one Prego® x StoryCorps conversation prompt card deck to help spark real dinnertime conversations.” You also get a complimentary USB-C cable for transferring the audio files.”

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