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January 30, 2026

Digital Independence Year [Undisruptable Technology - Ausgabe #298]

#298, 30. Januar 2026

Guten Morgen,

Ende Januar und jetzt erst die erste Ausgabe meines kleinen Newsletters. Eine zugegeben (zu) lange Weihnachtspause, aber das Wetter hier draußen in Berlin ist ja auch eher noch so, wie man es sich zu Weihnachten eigentlich wünscht.

Aber schuld an der Newsletter-Müdigkeit ist nicht das Wetter, sondern ich war tatsächlich ein bisschen beschäftigt und abgelenkt, was meine Tech-Interessen angeht. Dazu ein kleiner Exkurs: Ich habe es bestimmt schon häufiger mal erwähnt, ich bin Android-Nutzer der ersten Stunde, habe das offene Ökosystem wirklich gemocht und Apps entwickelt, ich bin tief ins Google Universum eingetaucht und war von den Diensten echt überzeugt. Klar, so Gemeinheiten wie Google Reader abschalten mal ausgenommen. Aber mal ehrlich, heute? Big Tech, die USA und so? Will ich, dass all meine Daten bei irgendwem sind? Und dabei geht es mir jetzt gar nicht in erster Linie darum, was jemand über mich weiß, mir geht es darum, dass ich nicht möchte, dass mich theoretisch jemand von meinen Fotos aussperren kann. Dass ich die Übersicht, wo ich mal war, nicht mehr einsehen kann, weil ein Unternehmen plötzlich die Nutzungsbedingungen ändert. Oder dass die Rechnung für den Cloud-Speicher einfach höher wird, weil es halt geht.

Angelehnt an den “Digital Independence Day” habe ich für mich mein privates “Digital Independece Year” ausgerufen. Meine Fotos habe ich zu einer privaten Immich-Instanz umgezogen, parallel zur Location-Übersicht von Google Maps läuft bei mir Owntracks und Dawarich und statt Dropbox und Google Drive will ich meine eigene Opencloud nutzen. Ach ja, und die Fitness-Daten von Garmin fließen in das Dashboard meines selbst gehosteten garmin-gafana ein. Und, ja, ich will 2026 auch wieder mehr bloggen, nachdem X tot ist und mich Mastodon ebenso wenig gepackt hat wie Bluesky, leider. Dabei sollen meine Daten so vorliegen, dass ich sie auch noch in zehn Jahren nutzen kann. Oder in 20. Die MS Publisher Dateien aus Unizeiten scheinen mir eher Datenschrott zu sein, wobei, wer weiß, vielleicht findet sich irgendwann mal ein Weg. Aber sich selbst einsperren, das will ich vermeiden.

Kann also gut sein, dass es in den kommenden Monaten hier an der einen oder anderen Stelle etwas nerdiger wird. Aber ich verspreche auch weiterhin regelmäßig die 10+ spannenden Tech-Links rund um digitale Disruptionen und analoge Absonderlichkeiten zusammenzutragen.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Phantom Obligation: Ein vielleicht wirklich etwas abseitiges Thema, aber zum einen ein wirklich spannendes und zum anderen ein optisch toll aufbereiteter Online-Text. Es geht um die Frage, warum ein Userinterface so aussieht, wie es aussieht. Das Beispiel sind RSS-Reader, die aussehen wie E-Mail-Programme, schon immer, obwohl das… eigentlich gar nicht passt. Wer sich ein bisschen für digitale Technologien und ihre Anwendung interessiert, dem empfehle ich diesen Text sehr.”We should remember that almost everything about how software looks and feels is a choice that someone made, often quickly, often for practical reasons that may not apply anymore.”

  2. Tech workers urge CEOs to condemn ICE: Man kann jetzt nicht gerade sagen, dass die großen Tech-Konzerne irgendwelche Werte wie “Don’t be evil” (die ja ohnehin aus einer anderen Zeit stammen) zuletzt gegenüber der US-Politik verteten hätten. Aber zumindest in ihrer Belegschaft gibt es durchaus den Wunsch, die schlimmsten Auswüchse dessen, was aus dem Weißen Haus kommt, mal deutlich zu kritisieren. “More than 450 tech workers from companies including Google, Salesforce, Meta, OpenAI and Amazon have signed a letter urging CEOs to contact the White House, demand that ICE leave cities, and cancel all company contracts with ICE.” 450 sind jetzt bei den Belegschaften nicht so viele, aber es wird jetzt auch nicht so viel bringen, vermutlich: “The organizers of ICEout.tech said their call has even more urgency following the attendance of Amazon, AMD, Apple and Zoom executives at a White House screening of first lady Melania Trump's new documentary just hours after the shooting.” Und auch wenn es darin nicht um Tech geht, diesen Text aus “The Atlantic” über die Minnesota-Proteste und den “neighborism” dahinter kann ich auch nur empfehlen.

  3. OpenAI's "secret" new device is coming. Here's what we know so far: Ich glaube, von einem Siegeszug der KI-Sprachmodelle oder LLMs zu sprechen, ist wirklich keine Übertreibung. Wo es bisher nur bei Ankündigungen blieb (oder bei Flops) ist echte neue KI-Hardware. Das will OpenAI jetzt ändern, auch wenn noch viel Geheimniskrämerei herrscht. “Various reports have suggested OpenAI's device could be wearable. It's unclear whether it's a pin, earbuds, or something else entirely.”

  4. Tesla kills Autopilot, locks lane-keeping behind $99/month fee: Früher hat man ein Auto gekauft und sich dann allenfalls über die teuren Inspektionstermine in der Hersteller-Werkstatt geärgert. Künftig kauft man ein Auto - und zahlt dann monatlich für einzelne Features. Bei Tesla künftig 99 Dollar pro Monat, wenn man den “Autopiloten” nutzen will, der so gar nicht heißen darf und auch nicht ganz Auto ist. “But probably not for very long. Last night, Musk revealed on his social media platform that “the $99/month for supervised FSD will rise as FSD’s capabilities improve. The massive value jump is when you can be on your phone or sleeping for the entire ride (unsupervised FSD).””

  5. OpenAI to Take a Percentage from Customer AI-Assisted R&D Outcomes: Interessante neue Geschäftsmodelle suchen auch andere, zum Beispiel die, die KI bereitstellen. “In the ongoing exploration of sustainable profit paths, OpenAI is a more disruptive business model: taking a share from "AI-Aided Discoveries" achieved by customers using its AI systems. According to insiders, this plan is still under internal discussion but has already attracted widespread attention in high-value R&D fields such as technology, pharmaceuticals, and materials science.” Die Idee ist einfach, wenn mit KI-Hilfe etwas entwickelt wird, was Geld abwirft, dann… “ the company would collect a "technology empowerment fee" at a certain percentage”.

  6. Elon Musk says Tesla ending Models S and X production, converting Fremont factory lines to make Optimus robots: Und wo wir gerade bei Tesla waren, hier noch eine andere Unternehmensnachricht. Dabei finde ich weniger spannend, dass zwei Modelle künftig nicht mehr produziert werden. Sondern was in der Fabrik stattdessen passieren soll: “Tesla
    CEO Elon Musk said on Wednesday that the automaker is ending production of its Model S and X vehicles, and will use the factory in Fremont, California, to build Optimus humanoid robots.”

  7. Aufstieg der deutschen Waffen-Start-ups: Wer über Resilienz spricht und (digitale) europäische Souveränität, der kann das Militär heute nicht mehr ausklammern (und das schreibe ich als Kriegsdienstverweigerer anno 198x). Hier geht es um zwei neue Player - Helsing und Stark - und eine Einordnung ihrer Kapitalgeber.

  8. Well, there goes the metaverse!: Ok, das Metaverse hat es nie so richtig gegeben und, nun ja, so schnell wird es das wohl auch nicht geben. Zumindest nicht das, von dem Mark Zuckerberg gesprochen hatte, im Bereich Industrie gibt es ja durchaus Metaversen. “Techcrunch” fasst nochmal Idee und, ähem, Scheitern zusammen. “Fast-forward, and the metaverse has effectively been abandoned in favor of AI.” Und das ist vielleicht auch der Punkt. Wer weiß, ob das Metaverse irgendwann doch noch kommt, in 10 oder 20 Jahren. So gesehen hat Meta auf eine Technologie und Idee gesetzt und ist damit gescheitert, wie es bei einem Startup eben mal passiert.

  9. Signal creator Moxie Marlinspike wants to do for AI what he did for messaging: Wer mit der KI chattet, gibt ziemlich viel Preis über sich. Das liegt dann bei den großen Anbietern und kann dort genutzt werden, in falsche Hände geraten oder auch von staatlichen Behörden eingesehen werden. Aber muss das so sein? Der Signal-Erfinder findet: Nein. “His latest brainchild is Confer, an open source AI assistant that provides strong assurances that user data is unreadable to the platform operator, hackers, law enforcement, or any other party other than account holders. The service—including its large language models and back-end components—runs entirely on open source software that users can cryptographically verify is in place.”

  10. That’s Not How Email Works, HSBC: Eine interessante Geschichte: Jemand bekommt von seiner Bank einen Brief, er müsse eine funktionierende E-Mail-Adresse hinterlegen. Aber die Adresse funktioniert doch und er bekommt sogar Mails von der Bank dorthin. Wie kann das sein? Nun, weil Mails getracked werden, wer öffnet sie, wann und wie oft - nur kann man das mit ein bisschen Wissen verhindern. “Tracking pixels have become so endemic that HSBC have clearly come to the opinion that if they can’t track when I open their emails, I must not be receiving their emails. So they wrote me a letter to tell me that my emails have been “returned undelivered” (which seems to be an outright lie).”

Undisruptable Technology im Bild

Erwähnte ich schon mal, dass ich glaube, dass 2026 das Jahr der Roboter werden könnte? Auch wenn wie bei KI wahrscheinlich nicht all die ganz großen Versprechungen eingelöst werden. Das Video zeigt: “LimX Dynamics released this week a video showing 18 of its full-size Oli humanoid robots autonomously emerging from shipping crates, standing up, walking in formation, and performing a coordinated routine without human intervention.”

Und zuletzt...

Wer sich darüber aufregt, für welchen Quatsch “die Politik” da und dort Geld aus dem Fenster schmeißt, der sollte mal nach UK schauen: “The UK paid £4.1 million for a bookmarks site”. Das ist einfach ein schöner Text der zeigt, wie man echt gut Geld verdienen könnte, wenn man schon eine große Firma hat und den Staat als Auftraggeber.

Es ist ein wenig müßig, sich über all den Wahnisnn aufzuregen, der derzeit von jenseits des Atlantiks hierhin geweht wird. Mal ehrlich, so eine Charta eines Friedensrates, über die zum Beispiel die “Süddeutsche Zeitung” hier schreibt, die hätte es früher selbst in fiktionale Formate wie “The West Wing” oder “Wag the Dog” nicht geschafft, weil einfach zu dickt aufgetragen. Oder diese Geschichte hier: Da wird jemand wegen Protesten gegen die Anti-Einwanderer-Miliz ICE verhaftet und das Weiße Haus verändert das Bild mit KI und postet es als echt. Der Unterschied: Die verhaftete Anwältin wird statt in ruhiger Pose in Tränen aufgelöst gezeigt. WTF? Aber schlimm genug, dabei natürlich recht schnell erwischt, gibt es diese Antwort: “White House Deputy Communications Director Kaelan Dorr. His statement, in full: “YET AGAIN to the people who feel the need to reflexively defend perpetrators of heinous crimes in our country I share with you this message: Enforcement of the law will continue. The memes will continue. Thank you for your attention to this matter.”” Eine Regierung die sagt: The memes will continue.

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