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March 13, 2026

AI is not the enemy (says the AI) [Undisruptable Technology - Ausgabe #301]

#301, 13. März 2026

Guten Morgen,

in der letzten Ausgabe dieses kleinen Newsletters habe ich mich ja etwas über digitale Prozesse im Kundendienst am Beispiel einer E-Scooter-Reparatur mokiert (Update: Der Scooter ist repariert, steht aber laut DHL seit Dienstag in Neumünster und wartet auf den Weitertransport, gleichzeitig wird täglich das voraussichtliche Zustelldatum eines nach hinten geschoben). Es tut mir leid, aber ich hätte da noch mehr Beispiele.

Ich habe nämlich festgestellt, dass ich ziemlich viel Geld fürs Fußballschauen ausgebe, also im Streaming. Und irgendwie bei Sky mal Dinge abgeschlossen habe, die ich nicht brauche (Stichwort: Cinema Paket). Jetzt kann man da online super dazubuchen, abbuchen geht nur über den Kundendienst. Aha. Anrufen, Chat oder, oha, WhatsApp. Das muss ich natürlich ausprobieren. Und der Dialog fängt, kein Scherz, so an: “Hallo Andreas, schön, dass du mich im Chat gefunden hast. Für dich zur Information - ich werde von einem Übersetzungsprogramm unterstützt. Damit ich dir schnell weiterhelfen kann, möchte ich dich bitten, in kurzen Sätzen zu schreiben.” Später stellen wir fest, dass mein Supporter in Indien sitzt. Der erste Chat endet kurz nach einem Angebot an mich, dann geht es wieder los (wieder nach Indien, wieder mit Übersetzungshilfe und die Aufforderung an mich - ausgerechnet mich! - kurze Sätze zu schreiben). Aber wir kommen schnell weiter und während es heißt, ich soll kurz auf die Vertragsinfos warten, erscheint plötzlich “In der Zwischenzeit, wie war dein Tag heute?”. Äh, ja, ok, gut. Aber irgendwann kommt dann der Vertrag, alles ist gut, und der Dialog endet mit “Vielen Dank für deine anhaltende Unterstützung.
Vielen Dank, dass ihr so nett seid.
Bleibt immer glücklich und gesund :)”

Ehrlich gesagt, am Telefon hätte das vermutlich einen Bruchteil der Zeit gedauert. Aber es wäre auch nur halb so digital gewesen. Und es hat ja geklappt. Anders als bei DAZN. Da muss man nämlich, um das neue 24-Monat-Angebot nutzen zu können, kein Kunde mehr sein. Dass ich zum 31.3. gekündigt habe, ist egal, man bekommt im Chat immer dieselbe Stanze (ob aus Indien oder KI-stan weiß ich nicht genau). Die Lösung ist so ein klassisches Digital-Problem-Workaround-Ding, das schon beim C64 geholfen hat, halt um die Ecke denken. Man nimmt eine neue Mailadresse und schlie0t halt unter der das Abo ab. Jetzt bin ich Neumitglied ab 11.3. und das seit 2016er Altmitglied hat halt gekündigt, die Datenqualität beim Streaming-Dienst verbessert das jetzt nicht unbedingt, aber für mich ist es billiger.

So, und jetzt verspreche ich, nächste Woche keine neuen Support-Erfahrungen zu teilen. Vielleicht kann ich dann ja mal darüber sinnieren, warum es eigentlich keine guten, bezahlbaren Tools gibt, um InDesign im Layout zu übersetzen. Falls es genug Nachfrage gibt, gründe ich dann ein Startup und biete meine selbstgebaute Lösung als SaaS an. Aber ich glaube, da müsste ich dann wegen der Bürokratie-Erfahrungen auf tägliche Erscheinungsweise umstellen.

Bis nächste Woche,

Andreas Streim


Ten news that fit to send

  1. Google is using old news reports and AI to predict flash floods: Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Möglichkeiten von Sprachmodellen überschätzt werden, wenn es um KI-Anwendungen jenseits von Textgenerierung geht (ok, von mir aus auch Bilder und Musik). Aber das ist ein interessanter Ansatz, wie Sprachmodelle Teil einer KI-Analyse sein können. “While humans have assembled a lot of weather data, flash floods are too short-lived and localized to be measured comprehensively, the way the temperature or even river flows are monitored over time. That data gap means that deep learning models, which are increasingly capable of forecasting the weather, aren’t able to predict flash floods. To solve that problem, Google researchers used Gemini — Google’s large language model — to sort through 5 million news articles from around the world, isolating reports of 2.6 million different floods, and turning those reports into a geo-tagged time series dubbed “Groundsource.” It’s the first time that the company has used language models for this kind of work.”

  2. I was interviewed by an AI bot for a job: Man liest ja sehr viel über KI-Einsatz im Recruiting. Hier hat sich eine Journalistin für Job-Angebote interviewen lassen und das Video ist wirklich ganz interessant. Und (Spoiler!) die Journalistin ist nicht wirklich überzeugt.

  3. Meta acquired Moltbook, the AI agent social network that went viral because of fake posts: Nicht alles bei KI ist Hype, und nicht alles bei KI ist kein Hype, es ist halt kompliziert. Diese Nachricht erscheint mir eher in den Bereich “lass uns alles kaufen, was mit KI zu tun hat und irgendwo eine Welle gemacht hat” zu fallen. ““The Moltbook team joining MSL opens up new ways for AI agents to work for people and businesses. Their approach to connecting agents through an always-on directory is a novel step in a rapidly developing space, and we look forward to working together to bring innovative, secure agentic experiences to everyone,” the Meta spokesperson said.”

  4. WhatsApp is launching parent-linked accounts for pre-teens: Während wir in Deutschland über Social-Media-Verbote für Menschen unter 16 (oder 14?) diskutieren, sagt WhatsApp, wie wäre es mit Messaging für Kinder. “WhatsApp launched a new set of parent-supervised accounts for users under the age of 13 on Wednesday. The company said that these accounts will only have access to messaging and calling, and won’t be targeted with any ads.” Die Eltern können Einstellungen kontrollieren etc. Ich bin ja ein großer Fan von Google Family Link und das erste Kind ist inzwischen rausgewachsen und hat die Elternkontrolle abgeschaltet, aber aus meiner Sicht macht es Sinn, wenn Tech-Unternehmen Eltern ermöglichen, ihrer Aufsicht nachzukommen, und Kindern, digitale Dienste zu nutzen.

  5. Atlassian slashes 10% of workforce to ‘self-fund’ investments in AI and enterprise sales: KI vernichtet Job - aber nicht so, wie viele mal gedacht haben. Weil die KI Aufgaben übernimmt, die bisher Menschen erledigt haben. Sondern weil die Unternehmen Geld zusammenkratzen müssen, um KI-Investitionen zu stemmen. Zuerst Oracle, jetzt Atlassian. “We are doing this to self-fund further investment in AI and enterprise sales, while strengthening our financial profile,” CEO Mike Cannon-Brookes said in a blog post. He said employees would be notified of their status by email.”

  6. Iran-Backed Hackers Claim Wiper Attack on Medtech Firm Stryker: In meiner Arbeit beim Digitalverband Bitkom geht es oft um Cybersicherheit. In Studien befragen wir zum Beispiel Unternehmen, ob sie sich durch die Weltlage stärker bedroht sehen oder ob sie Vorkehrungen gegen Angriffe treffen. So sieht das dann in der Praxis aus: “A hacktivist group with links to Iran’s intelligence agencies is claiming responsibility for a data-wiping attack against Stryker, a global medical technology company based in Michigan. (…) he story quoted an unnamed employee saying anything connected to the network is down, and that “anyone with Microsoft Outlook on their personal phones had their devices wiped.””

  7. Hacker knacken in kurzer Zeit den KI-Chatbot von McKinsey: Wo wir gerade bei Sicherheitsthemen sind: Da haben sich - zum Glück Sicherheitsforscher/innen, nicht Mullah-gesteuerte Hacker - mal den KI-Chatbot von McKinsey angeschaut. Und offenbar, ups, “die Forscher des Start-ups konnten ungehindert auf 46,5 Millionen Chat-Nachrichten zu Themen wie Unternehmensstrategien, Fusionen und Übernahmen zugreifen, die im Klartext gespeichert waren. Hinzu kamen 728.000 Dateien mit vertraulichen Kundendaten, 57.000 Nutzerkonten sowie 95 Systemaufforderungen, die das Verhalten der KI steuern.” Immerhin kann McKinsey jetzt schreiben: “Wir haben die Schwachstelle umgehend identifiziert und innerhalb weniger Stunden behoben.” Wer es übrigens genauer wissen will, dem empfehle ich diesen Text: How We Hacked McKinsey's AI Platform.

  8. Sci-fi surgery as doctor in UK directs robot to remove a prostate in Gibraltar: In der Medizin sind die Vorzüge der Digitalisierung besonders gut sichtbar. Wenn zum Beispiel ein erfahrener Arzt aus irgendwo den Patienten tausende Kilometer entfernt operieren kann. “The patient was in Gibraltar. The surgeon was in London. The outcome was a remarkable triumph for remote robotic surgery that saved the life of a 62-year-old football fan with prostate cancer. (…) The procedure went to plan with a lag of only 0.06 seconds between the surgeon in London and the robot in Gibraltar.”

  9. Digitalisierung der Wirtschaft: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI: Apropos Vorzüge der Digitalisierung. In einer Studie, die Bitkom diese Woche vorgestellt hat (Disclaimer: mein Arbeitgeber, die Studie habe ich mit begleitet) sagen 77 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit 20 oder mehr Beschäftigten, dass ihnen die Digitalisierung bislang eher Vorteile gebracht hat, 16 Prozent sehen sogar große Vorteile. Allerdings zeigen die weiteren Zahlen, die sich hinter dem Link finden, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt eher im Mittelfeld der Digitalisierung verortet ist und jedes zweite Unternehmen Probleme hat, die Digitalisierung zu stemmen. Aber 41 Prozent nutzen inzwischen KI, 48 Prozent haben das Thema auf dem Schirm und diskutieren darüber oder planen den KI-Einsatz. 

  10. Put the ZIP code first.: Jede und jeder, der schonmal eine Adresse in einem Webformular eingeben musste oder sein Herkunftsland auswählen sollte, wird diesen digitalen Rant, der in eine Webseite gegossen wurde, verstehen können. Selbst wenn er sich auf die US-Postleitzahlen bezieht, in Deutschland wäre es auch hilfreich. “You make me type my street address, then my city, then scroll through a dropdown of 50 states to find Illinois wedged between Idaho and Indiana, then type my ZIP, then — the pièce de résistance — scroll through 200+ countries to find United States, which half the time is filed under "T" because some dipshit thought "The United States of America" was the correct sort key. It's 2026. What the fuck are we doing.”

Undisruptable Technology im Bild

“AI is not the enemy, it’s the key”. Ein Musikvideo, das eine Lanze für KI brechen will - insbesondere für KI-generierte Künstler(innen?), die ja nur das Gute wollen. Oder wie es “Futurism” schreibt: “it’s one of the dingiest and depressing things we’ve ever seen.” Mehr dazu gibt es hier.

"Und zuletzt...

Wer programmiert (und wahrscheinlich auch viele andere) hat sicher schon mal darüber nachgedacht, selbst aus den Ergebnissen ein Startup entstehen zu lassen. Oder zumindest einen nebenberuflichen Einkommenszweig. Das ist hierzulande nicht ganz einfach und sicherlich schwieriger als in anderen Ländern. Irgendwer hat deshalb “Klaus Programmieren™” an den Start gebracht. Die Seite gibt sich aus als “Digitale Kodierungslösung der Bundesrepublik Deutschland” und ist, wie jede gute Satire, natürlich nicht echt, aber sie könnte es vermutlich sein. Und auch wer noch nie den Gedanken hatte, ein Softwareprodukt in Deutschland auf den Markt zu bringen, kann sich hier ruhig mal durchklicken.

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