Mai-Ausgabe 2026
Herzlich willkommen zur Mai-Ausgabe des Vreundschaftsbriefs!
CRUNCH
Wie letzten Monat im Newsletter verkündet, hat Lena mit ihrer Lesung Drei Geister den Inklingspreis 2026 in der audiovisuellen Kategorie gewonnen. Zur Feier dieses Anlasses gibt es die Geister jetzt für alle zugänglich im Podcast-Feed.
Die neue Folge vom Genderswapped Podcast steht diesen Monat unter dem Aufruf Schreibende, packt’s an! Wir haben Eleanor Bardilac als Gästin eingeladen und sprechen mit ihr über Verein- und Verbandsarbeit für Schreibende. Wie sieht die Arbeit in Vereinen aus, welche Ziele und Herausforderungen gibt es? Wie kann man den passenden Verband für sich finden und was bringt es überhaupt, sich zu organisieren? Darüber und mehr reden wir in dieser Folge.
Im Audio-Extra reden wir ebenfalls mit Eleanor Bardilac über die unserer Ansicht nach schädliche Unterteilung in U(nterhaltungs)- und E(rnsthafte)-Literatur.
Auf Patreon gibt es im Mai ein Einstiegsabenteuer ins Setting von “Die Ruinen von Arvor” (mehr Details dazu, was das ist, findet ihr im FLUFF) in zwei Varianten: einmal mit dem System Legend in the Mist und einmal mit 5e-Regeln.
Die Queer*Welten 16 ist im Amrûn-Shop vorbestellbar! Sie erscheint im Laufe des Juni.
Aktuell läuft ein Crowdfunding für ein Literaturfestival in Hamburg: Beyond Borders - Love & Literature. Es wird ein genreübergreifendes Event, das marginalisierte Autor*innen und Leser*innen stärken will - und die Grenzen zwischen E- und U-Literatur aufbrechen möchte. Schaut mal rein ins Crowdfunding - ihr könnt dort neben Merchandise und Goodies auch einfach schon Tageskarten oder 10er-Karten für die Veranstaltung erwerben und helft mit, noch mehr Autor*innen einladen zu können, Gebärdendolmetschen zu ermöglichen und die Orga zu bezahlen.
Ab und zu schreibt Judith für den Tourismus-Blog Aachen, so auch Ende April zu den neuen Zeitschleifen-Radrouten.
Termine:
Im Mai / Juni haben wir keine Termine.
(Es sei denn, ihr lest bis zum 10.6., 19 Uhr, Am Samstag gegen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft von Fiona Sironic, denn dann könnt ihr in Aachen ins Grüne Zentrum kommen und am Diskussionsabend zum Buch teilnehmen, den Judith moderiert!)
FLUFF
“Ruinen von Arvor” - was soll das eigentlich sein? (von Christian)
Der Weg zur Veröffentlichung eines Buchs kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Fall der Romane, die Judith und ich bei Publikumsverlagen herausgegeben haben, lief es meist wie folgt: Wir reichen kürzere Pitches oder längere Exposés ein, zu denen die Verlage dann (ab und zu) Yay oder (ganz oft) Nay sagen. Diese Gewichtung ist an sich ja völlig okay, Verlage müssen eben beurteilen, worin sie Potenzial sehen.
In Publikumsverlagen zu veröffentlichen bedeutet, Kompromisse einzugehen. Das heißt nicht, dass wir Projekte anders hätten umsetzen müssen als gewollt oder dass wir uns hätten verbiegen müssen, aber wer für einen Markt mit all seinen echten oder angenommenen Regeln schreibt, muss damit leben, dass Ideen, die man wirklich mag, als “unverkäuflich” verworfen werden.
Man hat uns glaubhaft und von mehreren Seiten versichert, dass “Ruinen von Arvor” gerade keine Chance hat und trotz angeblichem Trendthema “Ritterin” auch niemand den Roman, den wir in dieser Welt geplant haben, wird lesen wollen. Aber es ist etwas Seltsames passiert. Statt uns zu sagen, na ja, okay, falsche Zeit, falscher Ort, und über etwas anderes nachzudenken, haben wir zwei Kurzgeschichten geschrieben. Und ein Rollenspielabenteuer. Und besagten Roman. Weil scheiß drauf. Die Welt ist eh kaputt.
Und genau darum geht es.
Eine zerbrochene Welt, in der man trotzdem weitermacht. Wir nennen das vorsichtig mal “postkataklystisch”, auch wenn das irgendwie wie Buchstabensalat aussieht, aber “postapokalptisch” ist schon so von der Science-Fiction besetzt, und es ist zwar eine Postapokalypse, aber mit Fantasy-Geschmack. Denkt: Artus im von den Römern verlassenen Britannien. Die Ruinen von Piltover. Gondor, wenn Sauron gewonnen hätte.
Unsere Welt ist zerbrochen, aber das Leben geht weiter. Menschen leben auf den Bruchstücken ihres Planeten, im Himmel schwebenden Weltentrümmern, und wankelmütige Pfade durch die Feyenwelt sind die einzige Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu treten oder auf Wanderschaft zu gehen. Die Reste der Welt werden von Bestien, Überbleibseln toter Gottheiten, heimgesucht, wodurch ein Frevel als eine gute Sache gesehen wird und das Wort “heilig” als Schimpfwort gilt. Heilige Scheiße!
Was denn jetzt - Roman oder Rollenspiel?
Both is good! Die Erzählwelt - das Setting - haben wir “Ruinen von Arvor” genannt, der (erste? 😏) Roman heißt “Die reinen Herzens sind” und handelt von einer Ritterin und einer Zauberin, von Bestien und Minne, von Liebe und Verrat und von der Frage, ob Ritterlichkeit eigentlich noch zu retten ist.
Im Rollenspielsetting (vermutlich systemagnostisch, also ohne zugehöriges Regelsystem) werdet ihr Trümmerbot*innen spielen können, also auf epische Weise Post zwischen den Weltentrümmern zustellen.
Aber first things first: Wir haben zur Eigenmotivation erst mal ein Logo auf einen Tonbecher gedruckt, man muss Prioritäten setzen!

In Arbeit sind außerdem ein größeres RPG-Abenteuer, ein Audio-Projekt (dank Lena! 👀), eine Idee zu einem weiteren Roman und einiges an Artwork.
Fertig ist bereits das oben erwähnte Kurzabenteuer als Einstieg in die Welt, dazu passend das Bild aus der Feder von Don Kringel:

Und weiter?
Was wir daraus machen, baldowern wir in der nächsten Zeit aus. Der Buchmarkt ist gerade … anders. Vielleicht machen wir also lieber ein Crowdfunding, in der Hoffnung, dass es keine monolithische Lesevorliebe gibt und wir mit trotzigem Überleben in einer kaputten Welt ein paar Leser*innenherzen gewinnen können. Wir denken weiter nach und halten euch auf dem Laufenden. Weitere Infos findet ihr auf dieser Webseite und nach und nach hier im Newsletter.
Lust, selbst was beizusteuern?
Das Projekt soll ausdrücklich weitere Schreibende, Zeichnende, Spielende und Erzählende dazu einladen, mitzugestalten. Allerdings dürfen nur Menschen mitmachen und keine LLMs / KI, auch nicht als Hilfsmittel.
Wenn ihr mitwirken wollt, vielleicht mit einem Abenteuer, Artwork, einer Kurzgeschichte, einem Kurzcomic oder indem ihr Spielrunden auf Cons anbietet: All das ist sehr willkommen! Meldet euch gern, wenn ihr Lust auf so was habt!
Vavoriten
Lena empfiehlt:
Wie neulich im Podcast schon mal irgendwo erwähnt, habe ich das Buch von Anne Brorhilker zum Cum-Ex-Skandal gelesen. Cum-Ex, Milliarden und Moral ist ein gut lesbares und auch echt unterhaltsames Buch zu dem wichtigen Thema, das auch ganz deutlich klarmacht, was passieren müsste, damit der Bundesrepublik nicht jedes Jahr 100 Milliarden Euro (!) durch Steuerhinterziehung entgehen. Warum das politisch nicht gewollt ist … lässt sich zwischen den Zeilen schon hier und da auch herauslesen. Brorhilker, die als Staatsanwältin in Nordrhein-Westfalen arbeitete und dann aus dem Staatsdienst ausschied, um nun in der NGO Bürgerbewegung Finanzwende zu arbeiten (mit durchaus finanziellen Nachteilen für sie selbst) hat auf jeden Fall meinen großen Respekt. Wer gerade keine Zeit zum Bücherlesen hat, kann sich ein Interview mit ihr im auch immer hörenswerten Dissens-Podcast anhören.
Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky ist als Bestseller, der auch schon verfilmt wurde, sicher kein Geheimtipp. Ich möchte es hier aber dennoch empfehlen, weil ich es wirklich ganz wunderbar erzählt fand - ein bisschen witzig, ein bisschen traurig, manchmal am Kitsch kratzend, aber nie völlig hineinfallend. Die Geschichte um eine kleine Dorfgemeinschaft, einen tragischen Todesfall, einen buddhistischen Mönch und eine unausgesprochene Liebe hat mich wirklich sehr gerührt.
Christian empfiehlt:
Das cosy PC-Spiel Trash Goblin. Ein Goblin bringt allerhand Artefakte wieder auf Vorderperson und erfüllt so die Wünsche der Kundschaft eines kleinen Ladens, die allesamt aus skurrilen und interessanten Charakteren besteht. Sehr süß, queer und ur-gemütlich. Erwähnenswert ist auch, dass “Trash Goblin” von unserem Vriend Cifer ganz ohne generisches Maskulinum ins Deutsche übersetzt wurde! Außerdem gibt es das Spiel gerade gratis auf Epic Games.
Judith empfiehlt:
Ich habe im Januar im Audio-Extra mein persönliches Boudicca-Lesejahr ausgerufen und bin bisher zwei Bücher weit gekommen.
“Mein persönliches Boudicca-Lesejahr” Buch 1 ist: Lied für eine Dunkle Königin von Rosemary Sutcliff. Ach, Rosemary Sutcliff. Ich weiß nicht, ob ihr sie kennt, sie ist eine der literarischen Ikonen meiner Jugend, und mir ist beim Lesen wieder aufgefallen, wie sehr sie mein Bild von Antike und Eisenzeit geprägt hat, wie lebhaft ihre ganz knackige Bildsprache mich fesselt und mir dieselben Leute und Landschaften in die Gedanken malt wie vor dreißig Jahren, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe. Sutcliff ist besonders für “Der Adler der Neunten Legion” bekannt, aber es gibt kaum eine Epoche der britischen Geschichte und Mythologie, zu der es kein Buch von ihr gibt. Sutcliff, die eine schwere körperliche Behinderung hatte, lebte von 1920-1992, und ihre Erzählungen halten sicher nicht allerneuesten archäologischen Erkenntnissen stand (die zum Beispiel die Basis des Kapitels über Boudicca in Emma Southons “Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen” bilden). Wer die Geschichte Boudiccas kennt, wird in “Lied für eine Dunkle Königin” keine neuen Facetten finden: Die Römer erkennen Boudicca nicht als Königin der Icener an, misshandeln sie und vergewaltigen ihre Töchter, Boudicca vereint die keltischen Stämme zu einem verheerenden Kriegszug gegen die Römer, der ihr Leben und das ihrer Töchter kostet. Doch die Art und Weise, wie diese Episoden pointiert und zwischen sanft und scharfkantig chargierend aus der Sicht ihres alten Barden erzählt werden, geht mir immer noch unter die Haut.
“Mein persönliches Boudicca-Lesejahr” Buch 2 ist: Nightshade and Oak von Molly O’Neill. Das wiederum hat es nicht wirklich geschafft, mir unter die Haut zu gehen. Ich habe Molly O’Neills Debüt “Greenteeth” (alias “Waterwitch”) übersetzt und sehr gern gemocht, und “Nightshade and Oak” leidet ein bisschen unter dem Fluch des zweiten Buchs. Es spielt in derselben Welt wie “Greenteeth”, also einem Großbritannien, in dem mythische Wesen und Wildwege in die Anderswelt existieren. Die Göttin Mallt, die die Toten einsammelt, wandert über das Schlachtfeld, auf dem Boudicca starb, und findet deren Tochter Belis, die gerade auf magische Weise versucht, ihre Schwester von der Schwelle des Todes zu holen. Der Zauber geht schief und Mallt wird sterblich. Schwach. Verwundbar. Zusammen müssen sie - von Römern verfolgt - ins Reich des Todes aufbrechen, um Mallt wieder zu einer Göttin zu machen und Belis’ Schwester wieder zurück ins Leben zu holen. Ich mochte die beiden Hauptfiguren und die lesbische Liebesgeschichte, ich mochte auch die keltische-Mythologie-Shenanigans, aber irgendwie hatte das Buch viel Potenzial, mir ein bisschen wehzutun und mich anzurühren und dann war es so, als wäre die Autorin doch davor zurückgeschreckt und hätte sich den Schmerz nicht zugetraut, der aus der Beziehung Mensch-Göttin und den Traumata von Aufstand und Krieg herrührt. Die Rückblenden in die oben bereits geschilderte Boudicca-Timeline bleiben oberflächlich und lassen auch dort das Dunkle zwar geschehen, aber wenden den Blick auf eine Weise ab, dass man sich die Frage stellt: Warum dann überhaupt der Boudicca-Background?
INITIATIVE BITTE!
Der Paritätische Gesamtverband hat neulich geplante Kürzungen im Sozialbereich an die Öffentlichkeit gebracht - “Individuelle Rechtsansprüche auf Schulbegleitung sollen gestrichen, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen eingeschränkt, die Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe abgeschafft und der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende zusammengestrichen werden. Manche Vorschläge widersprechen offen der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention.” Es gibt jetzt dazu eine neue Info-Seite mit Sharepics und Textvorlagen, um z. B. euren Abgeordneten dazu zu schreiben: Sozialabbau stoppen. Schaut doch mal rein und schaut, ob ihr z. B. auch an eure Abgeordneten schreiben oder das Thema in den sozialen Medien teilen könnt.
Am 17.5. ist IDAHOBITA, der Internationale Tag gegen Queerfeindlichkeit, der daran erinnert, dass die Weltgesundheitsorganisation an diesem Datum im Jahr 1990 beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Da das dieses Jahr ein Sonntag ist, gibt es am Wochenende in vielen Städten Aktionen, Stände und Veranstaltungen. Vielleicht habt ihr ja Lust, eine Aktion zu unterstützen oder lokalen queeren Organisationen Geld (oder Zeit) zu spenden!
Danke fürs Abonnieren und Lesen!
Lena, Christian und Judith